Aus gegebenem Anlass serviere ich heute einen Baumkuchen. Wer jetzt vermutet, das könnte im Zusammenhang mit den Geheimnissen der Amazonrankings stehen, der vermutet richtig.
Der Onlinebuchhandel macht tatsächlich nur etwa 7% vom gesamten Buchverkaufskuchen aus. Das war eine Überraschung für mich. Man denkt ja, es wäre wesentlich mehr. Ist aber nicht so. Und es gibt eine Menge online-Möglichkeiten ein Buch zu kaufen. Nicht nur die gängigen Händler wie amazon, buch.de, libri.de, bol.de, bieten Bücher über das Internet an, sondern inzwischen auch eine Reihe von niedergelassenen Buchhandlungen. Aber man kann auch über das Handelsblatt und die Süddeutsche Zeitung Bücher erwerben, ebenso über monetenfuchs oder ZVAB und sogar über die christliche-online-buchhandlung [dort wird mein Buch sicher nicht zu kaufen sein]. Über vierzigtausend Treffer ergibt die google-Suche Bücher online kaufen.
Das 7%-Stück hat also so viele Schichten wie ein Baumkuchen. Manche dicker, manche dünner. Die mächtigste besteht vermutlich aus einer saftigen Lage amazon.
Vor ein paar Tagen zitierte das boresenblatt.net aus einer Umfrage der Literatur-Couch-Medien GmbH: Krimis werden am liebsten im Buchhandel gekauft. 54,55% der Krimi-Couch-User kaufen ihre Bücher noch immer im Buchhandel, erst dann folgt das Internet mit 40% [das wirft die Frage auf, was Amazon und Co eigentlich machen? Buchhandel, oder? Gut, ich höre ja schon wieder auf mit der Wortklauberei].
Erst dann! Habe ich das jetzt richtig gelesen? Das soll eine gute Nachricht sein. Der Marktanteil des Onlinebuchhandels beträgt 7%. Die gute Nachricht ist also keine. Krimileser kaufen ihre Bücher über das Internet und der Amazonrang hat mehr Aussagekraft als vermutet. Aber stimmt das auch? Und wenn ja, was würde das für das Marketing der Verlage im Bereich Krimi bedeuten?
Was sagen solche Zahlen eigentlich aus? Etwa 68% der Deutschen über 18 Jahre verfügen über einen Internetzugang. Davon geben 60 % an, über das Internet einzukaufen. 40% kaufen also nie online ein. Die in der o.g. Umfrage erwähnten Befragten waren alle User der Krimi-Couch oder Histo-Couch. Also eine sehr spezialisierte Zielgruppe, die mir nicht repräsentativ für den Krimikäufer erscheint. Aber ich bin ja nur Autorin und habe jetzt Lust auf was Süßes. Ein Stück Baumkuchen vielleicht?
Freitag, 31. Oktober 2008
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4 Kommentare:
Hi Inge,
für kleine Verlage macht der Internetbuchhandel sicher einen viel größeren Anteil aus. Wahrscheinlich wären schon viele pleite, gäbe es das Internet nicht, denn die wenigsten von den "Kleinen" schaffen es in den regulären Buchhandel.
Inge,
es ist, wie du zuerst vermutet hast: Menschen, die sich auf Internetplattformen herumtreiben, sind keine typischen Käufer und obendrein eine Minderheit - weil eben in Deutschland noch lange nicht alle das Internet benutzen. Solche Zahlen sind also nicht repräsentativ. (Und der amerikanische Riese, für den alle so viel Werbung machen, überlebt nur dank seines Gemischtwarenhandels und schweigt nicht umsonst eisern über seine Buchabverkäufe).
Ich hab mir mal vor Jahren die Marktforschungsdaten von Nielsen angeschaut, die sich so sehr nicht verändert haben dürften. Demnach rekrutierten sich Verkäufe im Internet vor allem unter männlichen Usern, die technikaffin lebten und dachten, und sehr jung waren (max. 30). Umgekehrt gibt es Zahlen aus dem stationären Buchhandel, dass dort vorwiegend Frauen, das ältere Segment (ab 40) und Menschen einkaufen, die pro Einkauf mehr Geld ausgeben (dass angeblich Männer nicht lesen, liegt daran, dass Frauen ihnen die Bücher oft mitbringen).
Man muss also sehr genau schauen, für welches Publikum man schreibt, um Aussagen treffen zu können. Kommt erschwerend dazu, dass Verlage in D. so gut wie keine Marktforschung betreiben - oder billige Pseudountersuchungen.
Ich prophezeie dir aber, dass du über den Anteil der Onlinebuchhändler an deinen Verkäufen lachen wirst...
Herzlichst,
Petra
Hallo Alexander,
da ich momentan über die Vor- und vor allem Nachteile dieser beiden Handelsformen nachdenke, frage ich mich, wie die Bücher kleiner Verlage wohl im Web wahrgenommen/gefunden werden können? Das ist mir ein Rätsel. Eigentlich nur, wenn man Titel oder Autor kennt, das Buch also gezielt sucht um es zu kaufen. Einfach so wird man es dort kaum entdecken.
Hallo Petra,
ja genau: Ich misstraue diesem Zahlensimsalabim und die realen Stückzahlen der bei Amazon gekauften Bücher würden mich schon interessieren. Ich bin halt eine neugierige Person, die den Dingen gerne auf den Grund geht.
Eine Freundin hat mein Buch neulich bei Amazon bestellt, woraufhin sich der Verkaufsrang um beinahe sechzigtausend verbesserte. Beim Kauf eines Buchs. Vielleicht sollte ich spaßeshalber mal fünf auf einmal bestellen :-))).
Schön finde ich, dass die ersten Leserfeedbacks bei mir per Mail kommen, es außerdem schon Rezensionen gibt und ich unvermutet auf Werbung für das Buch stoße, so wie bei dem Link zum börsenblatt.net. Heute Abend wird der VOX-Krimitipp zum zweiten Mal gesendet und bei Weltbild.de ist mein Buch auf der Buch-Startseite zu finden. Es tut sich also etwas ...
Liebe Grüße
Inge
Hallo Inge,
na das klingt doch bestens, zumal jetzt am Anfang!
Diese A-Wort-Zahlen errechnen sich übrigens zum Großteil auch aus dem Faktor, wie viel Prozent des Lagerbestands verkauft wurde. Hat die Firma 2 Bücher auf Lager, von denen eins verkauft wird, hast du irre 50% Abverkauf.
Übrigens schaffe ich es dort zeitweise, dass meine längst vergriffenen Uralt-Bücher angeblich besser laufen als das, was schon in der zweiten Auflage brummt. Und das, obwohl es nicht mal mehr die Verlage gibt!
Lesetipps, Rezensionen und Leserbriefe sind dagegen Gold wert!
Weiter viel Erfolg
wünscht Petra
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