Dühnforts erster Fall war also fertig. Ich hatte es geschafft, einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde. Nichts sprach dagegen, dass mir dies auch ein zweites Mal gelingen würde.
Ein kurzer Artikel im SPIEGEL brachte mich ins Grübeln und dann ins Hirnen. Figuren und Plots für Dühnforts zweiten Fall begannen in meinem Kopf herumzuspuken. Exposé und Kapitelplan entstanden parallel zur Überarbeitung von „Der Sünde Sold.“ Und siehe da, diesmal ging es leichter vonstatten. Ich hatte viel gelernt.
Man soll nicht anderer Leute Arbeit machen. Diese Marotte habe ich mir während meiner Selbständigkeit als Grafikerin angewöhnt. Wissen, was sie machen und im Groben auch wie, das ist wichtig. Aber ich muss nicht alles können. Da ich nun für meinen zweiten Roman das Ziel der Veröffentlichung ins Auge gefasst hatte, war es an der Zeit jemanden zu suchen, der sich im Verlagsgeschäft auskannte: Einen Agenten.
Ich suchte im Web, ließ mir im Autorenforum Montsegur von bereits veröffentlichten Autoren Tipps geben, stellte eine Liste von zehn Agenten zusammen, von denen ich annahm, mein Projekt passe in ihr Spektrum, nahm in der gewünschten Form Kontakt auf [das ist wichtig, denn manche wollen angerufen werden, manche nicht, manche wollen die Unterlagen per Mail, andere genau dies auf keinen Fall] und brachte an einem Tag neun Bewerbungen auf den Weg.
Bereits nach zwei Tagen kam das erste Feedback. Das Manuskript - soweit fertig - wurde angefordert, von einem der Top-Agenten der Branche. Ich wuchs etliche Zentimeter und schwebte über dem Teppich. Innerhalb weniger Wochen trudelten Briefe der Agenten ein, alle bescheinigten mir, schreiben zu können aber das Projekt passe leider auf keinen Programmplatz oder risse doch nicht so vom Hocker.
Etwa zur selben Zeit kam das Feedback von zwei Testlesern, die ich gebeten hatte, sich die ersten Kapitel unter einem einzigen Aspekt anzusehen. Den hier zu erklären, würde zu weit führen. Ich befürchtete eine Art Systemfehler. Und ich befürchtete zu Recht. Wo lag der Hund begraben? Ich wollte zuviel auf einmal. Eigentlich waren es zwei Bücher, die ich in eines packen wollte. Also Inge, nimm das Manuskript auseinander und mache auch zwei daraus! Keine schlechte Idee. Das war an einem Sonntag im Januar 2007.
Am Montag rief mich eine Agentin an, ihr gefiel, wie ich schrieb, aber sie sah einen konzeptionellen Fehler im vorgestellten Projekt, deshalb passe es auf keinen Programmplatz. Ob ich nicht besser zwei Bücher daraus machen wolle?
An diesem Punkt war ich ja gerade angelangt. Wir unterhielten uns prächtig. Irgendwann erzählte ich von Dühnforts erstem Fall. Den würde sie gerne sehen, meinte die Agentin. Also schickte ich ihr meinen Erstling. Kurze Zeit später kam ihr Feedback. Sie fand ihn toll.
Im Februar unterschrieb ich den Agentur-Vertrag, hatte nun eine Agentin und hoffte auf einen Vertrag mit einem Verlag. Vielleicht nicht mit dem allerkleinsten, es musste aber auch nicht unbedingt einer der großen Publikumsverlage sein.
Am Abend meines Geburtstags klingelte das Bürotelefon. Ich ging nicht ran. Dafür ist um diese Zeit der Anrufbeantworter zuständig. Wir aßen zu Abend, stießen mit Prosecco an. Irgendwann deckte ich den Tisch ab und ging dann doch ins Arbeitszimmer, um zu sehen, wer mich hatte erreichen wollen. Die Anzeige am AB blinkte, ich drückte die Taste, hörte, verstand vor lauter Aufregung nur die Hälfte und musste dann das Band noch einmal abspielen. Meine Agentin hatte die Nachricht hinterlassen, dass Ullstein meinen Erstling verlegen wollte und Dühnforts zweiten Fall gleich mit dazu.
Mittwoch, 15. Oktober 2008
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