Habe ich schon mal erwähnt, dass Dühnfort lange keine eigene Perspektive hatte und nur aus den Perspektiven meiner unfreiwilligen Heldin und der des Täters gesehen wurde? Nein? Gut, dann hole ich das nun nach.
Ich hatte einfach keine Lust Polizeiarbeit zu schreiben. Sie schien mir langweilig zu sein und außerdem einen nicht unerheblichen Rechercheaufwand zu erfordern. Um diese Perspektive überzeugend zu gestalten, braucht man einen Fachberater, einen Menschen, der bei der Polizei arbeitet, am besten bei einer Mordkommission. Das war meine Meinung.
Fachbücher über Kriminalistik und Rechtsmedizin hatte ich mir schon besorgt und gelesen und war nach langwierigem hirnen zu der Entscheidung gekommen, Agnes sei die Heldin der Geschichte. Mir schwebte ein Buch im Stil von Petra Hammesfahr vor, deren Bücher ich unwahrscheinlich gerne lese und die immer eine Heldin hat aus deren Sicht die Polizeiarbeit gesehen wird, also sehr begrenzt. Wunderbar. So wollte ich das auch machen.
Allerdings kam ich damit beim Workshop nicht durch. Lisa Kuppler, Carlo Feber und die Teilnehmer rieten mir dringend Dühnfort eine eigene Perspektive zu geben. Also gut. Ich habe auf sie gehört und probehalber eine Szene aus seiner Sicht geschrieben. Mit einem Mal stand er vor mir, sympathisch, grüblerisch, ernsthaft und doch auch humorvoll, mit einer Leidenschaft für italienischen Kaffee in allen Varianten und für Fast-Food in Edelversion. In Nullkommanix hat er sich die Hauptrolle geholt. Die zweite Hauptrolle, gleichberechtigt zu Agnes’ Part.
Samstag, 11. Oktober 2008
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