Samstag, 20. Dezember 2008

Zeitlos

Eigentlich wollte ich heute nicht über Dummheit, Dreistigkeit und Gier schreiben, sondern über ein Stillleben des 17. Jahrhunderts, das ich vor ein paar Tagen im Amsterdam gesehen habe. Wenn ich allerdings so darüber nachdenke, muss ich einräumen, mit Gier hat es auch zu tun.

In Dühnforts drittem Fall haben Natura-morta-Gemälde eine Bedeutung, deshalb liegt bei mir ein dicker Wälzer über dieses Thema auf dem Tisch und außerdem zwei kleinformatige Bücher über die Natur und ihre Symbole in der Kunst. Denn die Arrangements der Stillleben enthalten durch die Auswahl der abgebildeten Blumen und Tiere, besondere Aussagen. Ein Vogel gilt als Symbol der Seele, ist er allerdings in einen Käfig gesperrt, stellt er Betrug dar. Eine Anemone bedeutet Schmerz und Tod, eine Tulpe kostbare Schönheit und Vergänglichkeit, eine Libelle ist Sinnbild des Bösen, des Dämonischen ebenso wie die Darstellung einer Maus.

Vor ein paar Tagen stand ich also im Rijksmuseum in Amsterdam vor einem Stillleben des 17. Jahrhunderts, das einen Blumenstrauß zeigt, der in seiner Zusammenstellung ungewöhnlich ist. Es liegt nicht an der Darstellung von Blumen unterschiedlicher Jahreszeiten – das war damals üblich – was mich wunderte war die Vielzahl von Tulpen. Sicher an die zwanzig Blüten, weißgrundig, rotgeflammt, majestätisch, schön und vor allem kostbar. Damals wurden Tulpenzwiebeln nämlich an der Börse gehandelt wie heute Aktien, Öl und Getreide.

Was hat diese ungewöhnliche Komposition zu bedeuten?, fragte ich mich und wandte meine Aufmerksamkeit der Texttafel zu, las und hätte beinahe gelacht. Der Maler hat dieses Bild kurz nach dem Platzen der Tulpenblase gemalt. Etliche Amsterdamer Kaufleute waren damals Bankrott gegangen, als die Spekulationsblase platzte und die Preise für Tulpenzwiebeln in den Keller rauschten. Ein so altes Gemälde und doch so modern.