Aus gegebenem Anlass serviere ich heute einen Baumkuchen. Wer jetzt vermutet, das könnte im Zusammenhang mit den Geheimnissen der Amazonrankings stehen, der vermutet richtig.
Der Onlinebuchhandel macht tatsächlich nur etwa 7% vom gesamten Buchverkaufskuchen aus. Das war eine Überraschung für mich. Man denkt ja, es wäre wesentlich mehr. Ist aber nicht so. Und es gibt eine Menge online-Möglichkeiten ein Buch zu kaufen. Nicht nur die gängigen Händler wie amazon, buch.de, libri.de, bol.de, bieten Bücher über das Internet an, sondern inzwischen auch eine Reihe von niedergelassenen Buchhandlungen. Aber man kann auch über das Handelsblatt und die Süddeutsche Zeitung Bücher erwerben, ebenso über monetenfuchs oder ZVAB und sogar über die christliche-online-buchhandlung [dort wird mein Buch sicher nicht zu kaufen sein]. Über vierzigtausend Treffer ergibt die google-Suche Bücher online kaufen.
Das 7%-Stück hat also so viele Schichten wie ein Baumkuchen. Manche dicker, manche dünner. Die mächtigste besteht vermutlich aus einer saftigen Lage amazon.
Vor ein paar Tagen zitierte das boresenblatt.net aus einer Umfrage der Literatur-Couch-Medien GmbH: Krimis werden am liebsten im Buchhandel gekauft. 54,55% der Krimi-Couch-User kaufen ihre Bücher noch immer im Buchhandel, erst dann folgt das Internet mit 40% [das wirft die Frage auf, was Amazon und Co eigentlich machen? Buchhandel, oder? Gut, ich höre ja schon wieder auf mit der Wortklauberei].
Erst dann! Habe ich das jetzt richtig gelesen? Das soll eine gute Nachricht sein. Der Marktanteil des Onlinebuchhandels beträgt 7%. Die gute Nachricht ist also keine. Krimileser kaufen ihre Bücher über das Internet und der Amazonrang hat mehr Aussagekraft als vermutet. Aber stimmt das auch? Und wenn ja, was würde das für das Marketing der Verlage im Bereich Krimi bedeuten?
Was sagen solche Zahlen eigentlich aus? Etwa 68% der Deutschen über 18 Jahre verfügen über einen Internetzugang. Davon geben 60 % an, über das Internet einzukaufen. 40% kaufen also nie online ein. Die in der o.g. Umfrage erwähnten Befragten waren alle User der Krimi-Couch oder Histo-Couch. Also eine sehr spezialisierte Zielgruppe, die mir nicht repräsentativ für den Krimikäufer erscheint. Aber ich bin ja nur Autorin und habe jetzt Lust auf was Süßes. Ein Stück Baumkuchen vielleicht?
Freitag, 31. Oktober 2008
Sonntag, 26. Oktober 2008
Roller coaster
Vermutlich ist das normal. Ganz normal. Diese emotionale Achterbahnfahrt, auf die sich Autoren begeben, sobald ihr erstes Buch erschienen ist.
Ich bin noch nie gerne Achterbahn gefahren. Das letzte Mal ist lange her und war ebenso unfreiwillig wie heute. Um genau zu sein, sind zweiundzwanzig Jahre vergangen. Los Angeles, Disney Land. Space Mountain heißt das Teil. Ganz harmlos, wie mein damals Noch-nicht-Gatte meinte. Das wirklich fiese an dieser Höllenfahrt war die Tatsache, dass sie durch Dunkelheit führte. Ach was, führte. Jagte! Ich wurde hin- und hergeschleudert, in die Höhe katapultiert um postwendend in die Tiefe geworfen zu werden, möglichst noch in einer steilen Kurve. Und hatte keine Ahnung, was mich als nächstes erwartet. Vor mir lag Dunkelheit, wenn man mal vom mickrigen Leuchten der künstlichen Sterne in diesem künstlichen Universum absah. Ich war froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
Keine Sorge, ich nehme jetzt die Kurve: Mein Buch ist also endlich auf dem Markt und natürlich will ich wissen, ob es sich gut verkauft. Aber wie erfährt die Autorin das? Ganz einfach. Sie tut was alle Autoren tun [aber viele bestreiten]. Sie startet den Browser, geht auf die Amazon-Website und betritt damit den Roller coaster für Autoren.
Verkaufsrang Vierstellig: Höhenflug, Jubel. Alle lieben mein Buch, kaufen es stapelweise, die Amazon-Regale leeren sich. In Gedanken wird bereits eine Putzfrau engagiert. [Ich weiß, die meisten Frauen träumen von Schmuck, Reisen, Autos, schönen Klamotten. Ich träume von einer Putzfrau].
Verkaufsrang nähert sich dramatisch dem sechsstelligen Bereich: Panik. Das Buch liegt wie Blei, keiner will es lesen. Grauenhaft. Bald werde ich mich als Putzfrau verdingen müssen. Nie wieder gucke ich auf diese Website! Dieses Verkaufsrang-Simsalabim ist eh Quatsch.
Was sagt es überhaupt aus, dieses Ranking? Worauf bezieht es sich? Auf das gesamte Sortiment? Welchen Verkaufszeitraum bildet es ab? Und: Will ich überhaupt Antworten auf diese Fragen?
Nein. Eigentlich nicht. Mein Buch ist seit zwei Wochen bei amazon lieferbar (wobei es davon eine Woche nicht vorrätig war) und liegt erst seit zehn Tagen in den Buchläden. Wieder einmal bin ich zu ungeduldig. Am Ende dieser Überlegung hatte ich wieder festen Boden unter den Füßen. Das war gestern.
Heute Früh den Mac gestartet, den Browser geöffnet, um diesen Blogeintrag zu schreiben ... und natürlich doch auf den Verkaufsrang geschielt.
Ich bin noch nie gerne Achterbahn gefahren. Das letzte Mal ist lange her und war ebenso unfreiwillig wie heute. Um genau zu sein, sind zweiundzwanzig Jahre vergangen. Los Angeles, Disney Land. Space Mountain heißt das Teil. Ganz harmlos, wie mein damals Noch-nicht-Gatte meinte. Das wirklich fiese an dieser Höllenfahrt war die Tatsache, dass sie durch Dunkelheit führte. Ach was, führte. Jagte! Ich wurde hin- und hergeschleudert, in die Höhe katapultiert um postwendend in die Tiefe geworfen zu werden, möglichst noch in einer steilen Kurve. Und hatte keine Ahnung, was mich als nächstes erwartet. Vor mir lag Dunkelheit, wenn man mal vom mickrigen Leuchten der künstlichen Sterne in diesem künstlichen Universum absah. Ich war froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
Keine Sorge, ich nehme jetzt die Kurve: Mein Buch ist also endlich auf dem Markt und natürlich will ich wissen, ob es sich gut verkauft. Aber wie erfährt die Autorin das? Ganz einfach. Sie tut was alle Autoren tun [aber viele bestreiten]. Sie startet den Browser, geht auf die Amazon-Website und betritt damit den Roller coaster für Autoren.
Verkaufsrang Vierstellig: Höhenflug, Jubel. Alle lieben mein Buch, kaufen es stapelweise, die Amazon-Regale leeren sich. In Gedanken wird bereits eine Putzfrau engagiert. [Ich weiß, die meisten Frauen träumen von Schmuck, Reisen, Autos, schönen Klamotten. Ich träume von einer Putzfrau].
Verkaufsrang nähert sich dramatisch dem sechsstelligen Bereich: Panik. Das Buch liegt wie Blei, keiner will es lesen. Grauenhaft. Bald werde ich mich als Putzfrau verdingen müssen. Nie wieder gucke ich auf diese Website! Dieses Verkaufsrang-Simsalabim ist eh Quatsch.
Was sagt es überhaupt aus, dieses Ranking? Worauf bezieht es sich? Auf das gesamte Sortiment? Welchen Verkaufszeitraum bildet es ab? Und: Will ich überhaupt Antworten auf diese Fragen?
Nein. Eigentlich nicht. Mein Buch ist seit zwei Wochen bei amazon lieferbar (wobei es davon eine Woche nicht vorrätig war) und liegt erst seit zehn Tagen in den Buchläden. Wieder einmal bin ich zu ungeduldig. Am Ende dieser Überlegung hatte ich wieder festen Boden unter den Füßen. Das war gestern.
Heute Früh den Mac gestartet, den Browser geöffnet, um diesen Blogeintrag zu schreiben ... und natürlich doch auf den Verkaufsrang geschielt.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Geerdet
„Ab heute ist „Der Sünde Sold“ im Handel. What a feeling! Sicher unbeschreiblich. Deshalb werde ich das auch nicht versuchen.“ Das schrieb ich unter NULL im Countdown. Aber ich halte mich nicht daran!
Nein, feierlich war mir nicht zumute, als ich letzten Donnerstag kurz vor halb elf die Hugendubelfiliale am Marienplatz betrat. Es war eher eine Mischung aus Wow!, Ich habe es geschafft. Ab heute darf ich mich Autorin nennen und einer seltsamen Furcht. Ab heute hat mein Buch Leser. Werden sie es mögen?
Kopf in den Wolken, Flattern in der Magengegend. Neben der Rolltreppe im Eingangsbereich: Bücherstapel auf Palette. Irgendetwas Weißgrundiges. Natürlich nicht Der Sünde Sold. Logisch. Aber schön wäre das schon. Also rauf in die erste Etage, rechts abgebogen in die Krimi-Abteilung, die Neue-Krimi-Wand inspiziert. Was? Da steht mein famoses Buch nicht? Rüber zu den Tischen. Den ersten umrundet. Viele dunkle Cover, auch ein paar helle aber das, mit der mir so vertrauten roten Schrift winkt mir nicht entgegen. Hallo hier bin ich!
Na, vielleicht auf dem Tisch dahinter. Den gemustert. Das Flattern im Magen lässt langsam nach. Ist eh ein unangenehmes Gefühl. Darauf kann ich verzichten. Auch hier ist mein Buch nicht. Bitte nicht im Regal! Da findet es doch keiner. Da gucke ich gar nicht nach. Noch ein Blick auf die beiden Büchertische. Wie viele Krimis es gibt. Cover mit den Namen meiner Lieblingsautoren fallen mir auf. Hatte ich wirklich erwartet, dass mein Buch Seite an Seite ... Doch, hatte ich. Irgendwie.
Vermutlich ist die Lieferung noch nicht da. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich gehe zurück zur Rolltreppe, komme wieder an der Wand vorbei, an der die Krimineuerscheinungen präsentiert werden, sehe zwei Bücherstapel davor auf dem abgewetzten Teppichboden stehen. Der rechte ist meiner.
Mein Buch ist ein Produkt geworden, wie ein Laib Brot, ein Stück Seife. Es wird auf Tische und in Auslagen gelegt [bitte nicht in Regalen versteckt] und wird hoffentlich gekauft und genossen werden. Ich fühle mich ganz bodenständig und geerdet, als ich wieder auf den Marienplatz trete.
Nein, feierlich war mir nicht zumute, als ich letzten Donnerstag kurz vor halb elf die Hugendubelfiliale am Marienplatz betrat. Es war eher eine Mischung aus Wow!, Ich habe es geschafft. Ab heute darf ich mich Autorin nennen und einer seltsamen Furcht. Ab heute hat mein Buch Leser. Werden sie es mögen?
Kopf in den Wolken, Flattern in der Magengegend. Neben der Rolltreppe im Eingangsbereich: Bücherstapel auf Palette. Irgendetwas Weißgrundiges. Natürlich nicht Der Sünde Sold. Logisch. Aber schön wäre das schon. Also rauf in die erste Etage, rechts abgebogen in die Krimi-Abteilung, die Neue-Krimi-Wand inspiziert. Was? Da steht mein famoses Buch nicht? Rüber zu den Tischen. Den ersten umrundet. Viele dunkle Cover, auch ein paar helle aber das, mit der mir so vertrauten roten Schrift winkt mir nicht entgegen. Hallo hier bin ich!
Na, vielleicht auf dem Tisch dahinter. Den gemustert. Das Flattern im Magen lässt langsam nach. Ist eh ein unangenehmes Gefühl. Darauf kann ich verzichten. Auch hier ist mein Buch nicht. Bitte nicht im Regal! Da findet es doch keiner. Da gucke ich gar nicht nach. Noch ein Blick auf die beiden Büchertische. Wie viele Krimis es gibt. Cover mit den Namen meiner Lieblingsautoren fallen mir auf. Hatte ich wirklich erwartet, dass mein Buch Seite an Seite ... Doch, hatte ich. Irgendwie.
Vermutlich ist die Lieferung noch nicht da. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich gehe zurück zur Rolltreppe, komme wieder an der Wand vorbei, an der die Krimineuerscheinungen präsentiert werden, sehe zwei Bücherstapel davor auf dem abgewetzten Teppichboden stehen. Der rechte ist meiner.
Mein Buch ist ein Produkt geworden, wie ein Laib Brot, ein Stück Seife. Es wird auf Tische und in Auslagen gelegt [bitte nicht in Regalen versteckt] und wird hoffentlich gekauft und genossen werden. Ich fühle mich ganz bodenständig und geerdet, als ich wieder auf den Marienplatz trete.
Freitag, 17. Oktober 2008
Wer spielt Dühnfort?
Wenn alles wie erhofft läuft, dann wird diese Frage im kommenden Jahr gelöst werden. Nicht von mir. Dafür bin ich nicht zuständig. [Und Max: Bruce Willis ist nicht Dühnfort, gell.] Was ich damit sagen will? Die Filmoption ist unterchrieben und ein Drehbuchautorenteam wird sich demnächst damit beschäftigen "Der Sünde Sold" für den Film aufzubereiten.
Was mich daran besonders freut: Die beiden sehen Dühnfort und Agnes so, wie ich sie auch sehe, werden also den Fokus nicht allein auf die spektakulären Morde legen, was sicherlich verführerisch wäre, sondern auch die psychologischen Aspekte berücksichtigen, die mir beim Schreiben wichtig waren. Warum kommt es zu einer Tat? Wie geht der Täter damit um? Das sind die Fragen, die mich beschäftigen und die sicherlich auch im Drehbuch eine Rolle spielen werden. Nur, wer spielt Dühnfort? Im nächsten Jahr werde ich das vielleicht wissen.
Was mich daran besonders freut: Die beiden sehen Dühnfort und Agnes so, wie ich sie auch sehe, werden also den Fokus nicht allein auf die spektakulären Morde legen, was sicherlich verführerisch wäre, sondern auch die psychologischen Aspekte berücksichtigen, die mir beim Schreiben wichtig waren. Warum kommt es zu einer Tat? Wie geht der Täter damit um? Das sind die Fragen, die mich beschäftigen und die sicherlich auch im Drehbuch eine Rolle spielen werden. Nur, wer spielt Dühnfort? Im nächsten Jahr werde ich das vielleicht wissen.
Donnerstag, 16. Oktober 2008
NULL: Hinaus ins Leben
Ab heute ist „Der Sünde Sold“ im Handel. What a feeling! Sicher unbeschreiblich. Deshalb werde ich das auch nicht versuchen. Ich möchte mich an dieser Stelle bedanken. Bei meiner Agentin, Gudrun Hebel, die sich für Dühnfort stark gemacht hat, bei Carlos Westerkamp, meinem Lektor beim Ullstein Verlag, der das Manuskript von Anfang an gemocht hat und der ein für Autoren schmeichelhaftes Szenario in meiner Vorstellung hinterlassen hat, nämlich ein Bitte-nicht-stören-Schild an seiner Bürotür, während er das Manuskript las und natürlich beim Ullstein Verlag, der meinem Debütroman die bestmöglichen Startvoraussetzungen mit auf den Weg gegeben hat: Eine Spitzentitel-Platzierung im Verlagsprogramm und die damit verbunden Werbemaßnahmen.
Nun hat „Der Sünde Sold“ also den geschützten Bereich verlassen, in dem alle das Buch mögen. Jetzt muss es sich bewähren, vor den Lesern bestehen. Spannende Zeiten!
Nun hat „Der Sünde Sold“ also den geschützten Bereich verlassen, in dem alle das Buch mögen. Jetzt muss es sich bewähren, vor den Lesern bestehen. Spannende Zeiten!
Mittwoch, 15. Oktober 2008
EINS: Wovon Autoren träumen
Dühnforts erster Fall war also fertig. Ich hatte es geschafft, einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde. Nichts sprach dagegen, dass mir dies auch ein zweites Mal gelingen würde.
Ein kurzer Artikel im SPIEGEL brachte mich ins Grübeln und dann ins Hirnen. Figuren und Plots für Dühnforts zweiten Fall begannen in meinem Kopf herumzuspuken. Exposé und Kapitelplan entstanden parallel zur Überarbeitung von „Der Sünde Sold.“ Und siehe da, diesmal ging es leichter vonstatten. Ich hatte viel gelernt.
Man soll nicht anderer Leute Arbeit machen. Diese Marotte habe ich mir während meiner Selbständigkeit als Grafikerin angewöhnt. Wissen, was sie machen und im Groben auch wie, das ist wichtig. Aber ich muss nicht alles können. Da ich nun für meinen zweiten Roman das Ziel der Veröffentlichung ins Auge gefasst hatte, war es an der Zeit jemanden zu suchen, der sich im Verlagsgeschäft auskannte: Einen Agenten.
Ich suchte im Web, ließ mir im Autorenforum Montsegur von bereits veröffentlichten Autoren Tipps geben, stellte eine Liste von zehn Agenten zusammen, von denen ich annahm, mein Projekt passe in ihr Spektrum, nahm in der gewünschten Form Kontakt auf [das ist wichtig, denn manche wollen angerufen werden, manche nicht, manche wollen die Unterlagen per Mail, andere genau dies auf keinen Fall] und brachte an einem Tag neun Bewerbungen auf den Weg.
Bereits nach zwei Tagen kam das erste Feedback. Das Manuskript - soweit fertig - wurde angefordert, von einem der Top-Agenten der Branche. Ich wuchs etliche Zentimeter und schwebte über dem Teppich. Innerhalb weniger Wochen trudelten Briefe der Agenten ein, alle bescheinigten mir, schreiben zu können aber das Projekt passe leider auf keinen Programmplatz oder risse doch nicht so vom Hocker.
Etwa zur selben Zeit kam das Feedback von zwei Testlesern, die ich gebeten hatte, sich die ersten Kapitel unter einem einzigen Aspekt anzusehen. Den hier zu erklären, würde zu weit führen. Ich befürchtete eine Art Systemfehler. Und ich befürchtete zu Recht. Wo lag der Hund begraben? Ich wollte zuviel auf einmal. Eigentlich waren es zwei Bücher, die ich in eines packen wollte. Also Inge, nimm das Manuskript auseinander und mache auch zwei daraus! Keine schlechte Idee. Das war an einem Sonntag im Januar 2007.
Am Montag rief mich eine Agentin an, ihr gefiel, wie ich schrieb, aber sie sah einen konzeptionellen Fehler im vorgestellten Projekt, deshalb passe es auf keinen Programmplatz. Ob ich nicht besser zwei Bücher daraus machen wolle?
An diesem Punkt war ich ja gerade angelangt. Wir unterhielten uns prächtig. Irgendwann erzählte ich von Dühnforts erstem Fall. Den würde sie gerne sehen, meinte die Agentin. Also schickte ich ihr meinen Erstling. Kurze Zeit später kam ihr Feedback. Sie fand ihn toll.
Im Februar unterschrieb ich den Agentur-Vertrag, hatte nun eine Agentin und hoffte auf einen Vertrag mit einem Verlag. Vielleicht nicht mit dem allerkleinsten, es musste aber auch nicht unbedingt einer der großen Publikumsverlage sein.
Am Abend meines Geburtstags klingelte das Bürotelefon. Ich ging nicht ran. Dafür ist um diese Zeit der Anrufbeantworter zuständig. Wir aßen zu Abend, stießen mit Prosecco an. Irgendwann deckte ich den Tisch ab und ging dann doch ins Arbeitszimmer, um zu sehen, wer mich hatte erreichen wollen. Die Anzeige am AB blinkte, ich drückte die Taste, hörte, verstand vor lauter Aufregung nur die Hälfte und musste dann das Band noch einmal abspielen. Meine Agentin hatte die Nachricht hinterlassen, dass Ullstein meinen Erstling verlegen wollte und Dühnforts zweiten Fall gleich mit dazu.
Ein kurzer Artikel im SPIEGEL brachte mich ins Grübeln und dann ins Hirnen. Figuren und Plots für Dühnforts zweiten Fall begannen in meinem Kopf herumzuspuken. Exposé und Kapitelplan entstanden parallel zur Überarbeitung von „Der Sünde Sold.“ Und siehe da, diesmal ging es leichter vonstatten. Ich hatte viel gelernt.
Man soll nicht anderer Leute Arbeit machen. Diese Marotte habe ich mir während meiner Selbständigkeit als Grafikerin angewöhnt. Wissen, was sie machen und im Groben auch wie, das ist wichtig. Aber ich muss nicht alles können. Da ich nun für meinen zweiten Roman das Ziel der Veröffentlichung ins Auge gefasst hatte, war es an der Zeit jemanden zu suchen, der sich im Verlagsgeschäft auskannte: Einen Agenten.
Ich suchte im Web, ließ mir im Autorenforum Montsegur von bereits veröffentlichten Autoren Tipps geben, stellte eine Liste von zehn Agenten zusammen, von denen ich annahm, mein Projekt passe in ihr Spektrum, nahm in der gewünschten Form Kontakt auf [das ist wichtig, denn manche wollen angerufen werden, manche nicht, manche wollen die Unterlagen per Mail, andere genau dies auf keinen Fall] und brachte an einem Tag neun Bewerbungen auf den Weg.
Bereits nach zwei Tagen kam das erste Feedback. Das Manuskript - soweit fertig - wurde angefordert, von einem der Top-Agenten der Branche. Ich wuchs etliche Zentimeter und schwebte über dem Teppich. Innerhalb weniger Wochen trudelten Briefe der Agenten ein, alle bescheinigten mir, schreiben zu können aber das Projekt passe leider auf keinen Programmplatz oder risse doch nicht so vom Hocker.
Etwa zur selben Zeit kam das Feedback von zwei Testlesern, die ich gebeten hatte, sich die ersten Kapitel unter einem einzigen Aspekt anzusehen. Den hier zu erklären, würde zu weit führen. Ich befürchtete eine Art Systemfehler. Und ich befürchtete zu Recht. Wo lag der Hund begraben? Ich wollte zuviel auf einmal. Eigentlich waren es zwei Bücher, die ich in eines packen wollte. Also Inge, nimm das Manuskript auseinander und mache auch zwei daraus! Keine schlechte Idee. Das war an einem Sonntag im Januar 2007.
Am Montag rief mich eine Agentin an, ihr gefiel, wie ich schrieb, aber sie sah einen konzeptionellen Fehler im vorgestellten Projekt, deshalb passe es auf keinen Programmplatz. Ob ich nicht besser zwei Bücher daraus machen wolle?
An diesem Punkt war ich ja gerade angelangt. Wir unterhielten uns prächtig. Irgendwann erzählte ich von Dühnforts erstem Fall. Den würde sie gerne sehen, meinte die Agentin. Also schickte ich ihr meinen Erstling. Kurze Zeit später kam ihr Feedback. Sie fand ihn toll.
Im Februar unterschrieb ich den Agentur-Vertrag, hatte nun eine Agentin und hoffte auf einen Vertrag mit einem Verlag. Vielleicht nicht mit dem allerkleinsten, es musste aber auch nicht unbedingt einer der großen Publikumsverlage sein.
Am Abend meines Geburtstags klingelte das Bürotelefon. Ich ging nicht ran. Dafür ist um diese Zeit der Anrufbeantworter zuständig. Wir aßen zu Abend, stießen mit Prosecco an. Irgendwann deckte ich den Tisch ab und ging dann doch ins Arbeitszimmer, um zu sehen, wer mich hatte erreichen wollen. Die Anzeige am AB blinkte, ich drückte die Taste, hörte, verstand vor lauter Aufregung nur die Hälfte und musste dann das Band noch einmal abspielen. Meine Agentin hatte die Nachricht hinterlassen, dass Ullstein meinen Erstling verlegen wollte und Dühnforts zweiten Fall gleich mit dazu.
Dienstag, 14. Oktober 2008
ZWEI: Das Ende
Gelingt es mir einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde? Das herauszufinden war mein Ziel gewesen. Am 26. November 2005 war die erste Fassung fertig; ich schrieb das magische Wort ENDE auf Seite 550. Das musste einfach sein, kein Verlag druckt das. Egal, es sollte da stehen. Ein tolles Gefühl. Außerdem hatte ich nicht ernsthaft vor, einen Verlag dafür zu suchen. Ich hatte dieses Buch für mich geschrieben. Das nächste würde ich dann mit der Zielsetzung Veröffentlichung schreiben. Den Erstling nimmt sowieso niemand. Es gab zwar Interesse von zwei Verlagen, die Regionalkrimis veröffentlichen und über romansuche.de auf das Manuskript aufmerksam geworden waren; ich hatte es dort nach dem zweiten Krimiworkshop mit Lisa Kuppler und Carlo Feber und nach Lisa Kupplers Mutmacher – Schreiben Sie weiter, Sie können es! – in einem Anfall von Größenwahn eingestellt, aber Dühnforts erster Fall war kein Regionalkrimi und konnte auch keiner werden.
Das Manuskript hing den Winter über ab und erst im Frühjahr habe ich es mir wieder vorgenommen, um es zu überarbeiten. Vor allem wollte ich kürzen. 550 Seiten, das ahnte ich, sind viel zu viel. Ich las den Text in einem Rutsch, bekam zwischendrin Gähnattacken und somit die Bestätigung meines Verdachts. Kürzen war mit Sicherheit keine schlechte Idee.
Raffen, straffen, rausstreichen. Das geht leichter als man denkt. Um 110 Seiten abgespeckt, las sich das schon deutlich besser, aber noch nicht wirklich richtig gut. Im Laufe des Sommers und Herbstes überarbeitete ich den Text noch zweimal bis daraus ein Roman geworden war, den ich wirklich gerne lesen wollte und das Wort ENDE tatsächlich die Fertigstellung des Manuskripts in der mir bestmöglichen Form darstellte.
Das Manuskript hing den Winter über ab und erst im Frühjahr habe ich es mir wieder vorgenommen, um es zu überarbeiten. Vor allem wollte ich kürzen. 550 Seiten, das ahnte ich, sind viel zu viel. Ich las den Text in einem Rutsch, bekam zwischendrin Gähnattacken und somit die Bestätigung meines Verdachts. Kürzen war mit Sicherheit keine schlechte Idee.
Raffen, straffen, rausstreichen. Das geht leichter als man denkt. Um 110 Seiten abgespeckt, las sich das schon deutlich besser, aber noch nicht wirklich richtig gut. Im Laufe des Sommers und Herbstes überarbeitete ich den Text noch zweimal bis daraus ein Roman geworden war, den ich wirklich gerne lesen wollte und das Wort ENDE tatsächlich die Fertigstellung des Manuskripts in der mir bestmöglichen Form darstellte.
Montag, 13. Oktober 2008
DREI: Der Zufall
Der Zufall ist ein ungern gesehener Gast in Kriminalromanen. Der Autor hat es in der Hand, wie der Fall gelöst wird und er seinen Helden glänzen lässt. Den Zufall zu Hilfe zu nehmen ist ziemlich unbefriedigend. Nicht nur für den Leser, auch für den Helden der Geschichte und damit für seinen Schöpfer und Spieler, den Schriftsteller.
Aber im richtigen Leben spielt der Zufall eine Rolle, die ihm in der fiktiven Welt meistens verwehrt wird. Er geschieht einfach, mischt sich ein und entscheidet. Nicht nur im Schlechten sondern auch im Guten.
Dühnfort hatte also nun eine eigene Perspektive und ich die Polizeiarbeit am Hals, die ich realistisch beschreiben wollte, aber nicht langweilig und mir fehlte ein fachkundiger Berater. Recherchematerial in Buchform und auch digital aus dem Web hatte ich in Mengen, nur die hautnahe Polizeiarbeit war nicht dabei, die eines Kommissars.
Habe ich schon erwähnt, dass ich meine Brötchen [in Bayern Semmeln genannt] als freiberufliche Grafikerin verdiene? Nein? Gut, dann habe ich das jetzt nachgeholt und der Zufall betritt die Bühne meines Autorendaseins.
Eines Tages klingelte mein Bürotelefon. Eine Frau meldete sich. Sie hatte mich über die Gelben Seiten gefunden und erklärte mir, ihr Mann und sie wollten ein kleines Unternehmen gründen und benötigten dafür Logo und Briefpapier und würden sich gerne mit mir über einen möglichen Auftrag unterhalten.
Einige Tage später trafen wir uns bei mir. Ich präsentierte, was ich bisher an Firmenzeichen entworfen hatte; das Ehepaar erklärte, was es plante und wir wurden uns einig. Eine Woche später sollte ich bereits erste Entwürfe vorlegen. Diesmal bei dem Ehepaar. Die Frau bat mich, wenn ich zu ihnen käme, keinesfalls in der privaten Stichstraße zu parken, an der sie wohnten. Am Ende dieser schmalen Straße wohne jemand, dem vertraglich das Recht zugesichert worden war, diese Straße zu jeder Tages- und Nachtzeit ungehindert passieren zu können. Wow, dachte ich, wer kann das sein? Notarzt? Feuerwehrmann? Gar jemand von der Polizei?
Eine Woche später fuhr ich mit meinen Entwürfen zu den Firmengründern und legte ihnen das Ergebnis meiner Arbeit vor. Die Layouts kamen gut an, das Gespräch war nett und ich fasste mir ein Herz und fragte, was denn der Nachbar beruflich mache. Er sei bei der Polizei, bei der Mordkommission, erklärte die Kundin.
Diesen Zufall durfte ich nicht ungenutzt lassen. Also outete ich mich, erzählte von meinem Romanprojekt und dass mir ein Berater für die Polizeiarbeit fehlte. Ob es möglich wäre einen Kontakt zu vermitteln?
Zwei Tage später klingelte mein Telefon. Meine Kundin war dran. Der Kriminalhauptkommissar der Münchener Mordkommission war gerne bereit sich mit mir zu unterhalten und erwartete meinen Anruf.
Aber im richtigen Leben spielt der Zufall eine Rolle, die ihm in der fiktiven Welt meistens verwehrt wird. Er geschieht einfach, mischt sich ein und entscheidet. Nicht nur im Schlechten sondern auch im Guten.
Dühnfort hatte also nun eine eigene Perspektive und ich die Polizeiarbeit am Hals, die ich realistisch beschreiben wollte, aber nicht langweilig und mir fehlte ein fachkundiger Berater. Recherchematerial in Buchform und auch digital aus dem Web hatte ich in Mengen, nur die hautnahe Polizeiarbeit war nicht dabei, die eines Kommissars.
Habe ich schon erwähnt, dass ich meine Brötchen [in Bayern Semmeln genannt] als freiberufliche Grafikerin verdiene? Nein? Gut, dann habe ich das jetzt nachgeholt und der Zufall betritt die Bühne meines Autorendaseins.
Eines Tages klingelte mein Bürotelefon. Eine Frau meldete sich. Sie hatte mich über die Gelben Seiten gefunden und erklärte mir, ihr Mann und sie wollten ein kleines Unternehmen gründen und benötigten dafür Logo und Briefpapier und würden sich gerne mit mir über einen möglichen Auftrag unterhalten.
Einige Tage später trafen wir uns bei mir. Ich präsentierte, was ich bisher an Firmenzeichen entworfen hatte; das Ehepaar erklärte, was es plante und wir wurden uns einig. Eine Woche später sollte ich bereits erste Entwürfe vorlegen. Diesmal bei dem Ehepaar. Die Frau bat mich, wenn ich zu ihnen käme, keinesfalls in der privaten Stichstraße zu parken, an der sie wohnten. Am Ende dieser schmalen Straße wohne jemand, dem vertraglich das Recht zugesichert worden war, diese Straße zu jeder Tages- und Nachtzeit ungehindert passieren zu können. Wow, dachte ich, wer kann das sein? Notarzt? Feuerwehrmann? Gar jemand von der Polizei?
Eine Woche später fuhr ich mit meinen Entwürfen zu den Firmengründern und legte ihnen das Ergebnis meiner Arbeit vor. Die Layouts kamen gut an, das Gespräch war nett und ich fasste mir ein Herz und fragte, was denn der Nachbar beruflich mache. Er sei bei der Polizei, bei der Mordkommission, erklärte die Kundin.
Diesen Zufall durfte ich nicht ungenutzt lassen. Also outete ich mich, erzählte von meinem Romanprojekt und dass mir ein Berater für die Polizeiarbeit fehlte. Ob es möglich wäre einen Kontakt zu vermitteln?
Zwei Tage später klingelte mein Telefon. Meine Kundin war dran. Der Kriminalhauptkommissar der Münchener Mordkommission war gerne bereit sich mit mir zu unterhalten und erwartete meinen Anruf.
Sonntag, 12. Oktober 2008
VIER: Der bröselnde Engel
Dühnfort hatte nun also eine eigene Perspektive und ich musste seine Rolle weiter ausstatten, was ich mir hätte ersparen können, wenn er nur aus Sicht der andren Figuren präsent gewesen wäre. Er brauchte also eine Wohnung und ein etwas fülligeres Leben, eines, das sich nicht auf die Polizeiarbeit reduzierte.
Die Wohnung war schnell gefunden. Der Alte Südfriedhof, der ehemalige Pestfriedhof der Stadt München, liegt sehr zentral im Glockenbachviertel und etliche Häuser der angrenzenden Pestalozzistraße bieten eine Aussicht auf die alten Gräber. Ein solcher Ausblick passt zu einem Kriminalhauptkommissar der Mordkommission, dachte ich, baute ein Haus zwischen die bestehenden Häuser und quartierte Dühnfort dort ein. Seither blickt er vom kleinen Balkon, der sich vor der Küche befindet, hinunter auf einen bröselnden Marmorengel, der dort am Grab eines im Alter von achtunddreißig Jahren viel zu früh verstorbenen fiktiven Musikers wacht.
Die Äußerlichkeiten waren also schnell geregelt. Aber wie menschelt Dühnfort privat? Gleich in der ersten Szene aus seiner Perspektive grübelt er, das ist so eine Eigenart von ihm. Doch was beschäftigte ihn? Ich lauschte [als seine Autorin darf ich das] und stellte fest: Er hat ein Problem. Wunderbar, denn es war eines, das man nicht so leicht beiseite wischt, eines, das ihn immer wieder beschäftigen würde.
Gut, das war dann auch erledigt. Also losgelegt mit der Lösung des Falls aus der Perspektive meines neuen Helden. Und ganz schnell stand ich vor dem bereits befürchteten Problem: Wie funktioniert Polizeiarbeit im Detail, wie beschreibe ich sie möglichst realistisch ohne dabei zu langweilen? Recherchieren lässt sich dank Web und Fachbüchern sehr viel, auch die Mitarbeiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums München sind sehr hilfsbereit und beantworten Fragen. Aber ich konnte sie ja nicht stundenlang mit meinen Fragen aufhalten. Wie sich das Problem gelöst hat, schreibe ich morgen.
Ach ja, eines noch: Seit gestern ist „Der Sünde Sold“ bei amazon bestellbar. Vier Tage bevor der Countdown beendet ist. Ich schreibe ihn trotzdem fertig, denn erst ab dem sechzehnten wird Dühnforts erster Fall lt. Verlag überall zu kaufen sein.
Die Wohnung war schnell gefunden. Der Alte Südfriedhof, der ehemalige Pestfriedhof der Stadt München, liegt sehr zentral im Glockenbachviertel und etliche Häuser der angrenzenden Pestalozzistraße bieten eine Aussicht auf die alten Gräber. Ein solcher Ausblick passt zu einem Kriminalhauptkommissar der Mordkommission, dachte ich, baute ein Haus zwischen die bestehenden Häuser und quartierte Dühnfort dort ein. Seither blickt er vom kleinen Balkon, der sich vor der Küche befindet, hinunter auf einen bröselnden Marmorengel, der dort am Grab eines im Alter von achtunddreißig Jahren viel zu früh verstorbenen fiktiven Musikers wacht.
Die Äußerlichkeiten waren also schnell geregelt. Aber wie menschelt Dühnfort privat? Gleich in der ersten Szene aus seiner Perspektive grübelt er, das ist so eine Eigenart von ihm. Doch was beschäftigte ihn? Ich lauschte [als seine Autorin darf ich das] und stellte fest: Er hat ein Problem. Wunderbar, denn es war eines, das man nicht so leicht beiseite wischt, eines, das ihn immer wieder beschäftigen würde.
Gut, das war dann auch erledigt. Also losgelegt mit der Lösung des Falls aus der Perspektive meines neuen Helden. Und ganz schnell stand ich vor dem bereits befürchteten Problem: Wie funktioniert Polizeiarbeit im Detail, wie beschreibe ich sie möglichst realistisch ohne dabei zu langweilen? Recherchieren lässt sich dank Web und Fachbüchern sehr viel, auch die Mitarbeiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums München sind sehr hilfsbereit und beantworten Fragen. Aber ich konnte sie ja nicht stundenlang mit meinen Fragen aufhalten. Wie sich das Problem gelöst hat, schreibe ich morgen.
Ach ja, eines noch: Seit gestern ist „Der Sünde Sold“ bei amazon bestellbar. Vier Tage bevor der Countdown beendet ist. Ich schreibe ihn trotzdem fertig, denn erst ab dem sechzehnten wird Dühnforts erster Fall lt. Verlag überall zu kaufen sein.
Samstag, 11. Oktober 2008
FÜNF: Wie Dühnfort die Hauptrolle bekam
Habe ich schon mal erwähnt, dass Dühnfort lange keine eigene Perspektive hatte und nur aus den Perspektiven meiner unfreiwilligen Heldin und der des Täters gesehen wurde? Nein? Gut, dann hole ich das nun nach.
Ich hatte einfach keine Lust Polizeiarbeit zu schreiben. Sie schien mir langweilig zu sein und außerdem einen nicht unerheblichen Rechercheaufwand zu erfordern. Um diese Perspektive überzeugend zu gestalten, braucht man einen Fachberater, einen Menschen, der bei der Polizei arbeitet, am besten bei einer Mordkommission. Das war meine Meinung.
Fachbücher über Kriminalistik und Rechtsmedizin hatte ich mir schon besorgt und gelesen und war nach langwierigem hirnen zu der Entscheidung gekommen, Agnes sei die Heldin der Geschichte. Mir schwebte ein Buch im Stil von Petra Hammesfahr vor, deren Bücher ich unwahrscheinlich gerne lese und die immer eine Heldin hat aus deren Sicht die Polizeiarbeit gesehen wird, also sehr begrenzt. Wunderbar. So wollte ich das auch machen.
Allerdings kam ich damit beim Workshop nicht durch. Lisa Kuppler, Carlo Feber und die Teilnehmer rieten mir dringend Dühnfort eine eigene Perspektive zu geben. Also gut. Ich habe auf sie gehört und probehalber eine Szene aus seiner Sicht geschrieben. Mit einem Mal stand er vor mir, sympathisch, grüblerisch, ernsthaft und doch auch humorvoll, mit einer Leidenschaft für italienischen Kaffee in allen Varianten und für Fast-Food in Edelversion. In Nullkommanix hat er sich die Hauptrolle geholt. Die zweite Hauptrolle, gleichberechtigt zu Agnes’ Part.
Ich hatte einfach keine Lust Polizeiarbeit zu schreiben. Sie schien mir langweilig zu sein und außerdem einen nicht unerheblichen Rechercheaufwand zu erfordern. Um diese Perspektive überzeugend zu gestalten, braucht man einen Fachberater, einen Menschen, der bei der Polizei arbeitet, am besten bei einer Mordkommission. Das war meine Meinung.
Fachbücher über Kriminalistik und Rechtsmedizin hatte ich mir schon besorgt und gelesen und war nach langwierigem hirnen zu der Entscheidung gekommen, Agnes sei die Heldin der Geschichte. Mir schwebte ein Buch im Stil von Petra Hammesfahr vor, deren Bücher ich unwahrscheinlich gerne lese und die immer eine Heldin hat aus deren Sicht die Polizeiarbeit gesehen wird, also sehr begrenzt. Wunderbar. So wollte ich das auch machen.
Allerdings kam ich damit beim Workshop nicht durch. Lisa Kuppler, Carlo Feber und die Teilnehmer rieten mir dringend Dühnfort eine eigene Perspektive zu geben. Also gut. Ich habe auf sie gehört und probehalber eine Szene aus seiner Sicht geschrieben. Mit einem Mal stand er vor mir, sympathisch, grüblerisch, ernsthaft und doch auch humorvoll, mit einer Leidenschaft für italienischen Kaffee in allen Varianten und für Fast-Food in Edelversion. In Nullkommanix hat er sich die Hauptrolle geholt. Die zweite Hauptrolle, gleichberechtigt zu Agnes’ Part.
Freitag, 10. Oktober 2008
SECHS: Zur rechten Zeit
Nach Wochen und Monaten des Hirnens war es soweit: Neben meiner Phantasie und dem theoretischen Wissen, wie man einen Roman schreibt, verfügte ich nun auch über Personal und Handlung. Es konnte also losgehen.
Nach etwas mehr als hundert Seiten merkte ich, etwas stimmt nicht. Ich fühlte mich wie auf Treibsand, hatte wieder fünf Perspektivfiguren und so viel zu erzählen, dass ich plötzlich einen Achthundert-Seiten-Wälzer vor mir sah. Außerdem beschlich mich das unangenehme Gefühl, den Faden zu verlieren und dem Spannungsbogen zuviel Freiheit zu lassen; er tanzte wie ein loses Seil im Sturm und ich würde es niemals schaffen, einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde. Merde!
Resigniert überlegte ich, meinen zweiten Romanversuch an der Seite des ersten beizusetzen, als ich, wie jeden Monat einmal, das neue Programm des Literaturhauses München aus meinem Briefkasten holte. Eine Veranstaltung sprang mich förmlich an. Im Rahmen des Krimifestivals öffnete das Haus seine Pforten für Laien (bis dato gab es Workshops nur für bereits veröffentlichte Autoren, wie ich bei Nachfrage erfahren hatte) und veranstaltete einen zweitägigen Workshop Für Krimiautoren und solche, die es werden wollen. Noch am selben Tag habe ich mich dafür angemeldet.
Dieser Workshop hat mir die Augen geöffnet. Ohne ihn hätte ich es nie geschafft einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde. Zwei Tage lang erklärten Lisa Kuppler und Carlo Feber anhand einer Analyse des Buches Die Bildhauerin von Minette Walters, wie man die Fäden in der Hand behält, wie man Spannungsbögen baut, was der Leser sich von einem Krimi erwartet und wie man diese Erwartungen erfüllen kann. Unvergessen Carlo Febers Satz: „Und dann nehmen wir die Spannungsbögen und bauen daraus eine gotische Kathedrale.“
Sonntagabend kam ich mit schwirrendem Kopf nach Hause, setzte mich an den Computer, ordnete meine Handlungsstränge, baute an ihnen entlang Spannungsbögen und griff dann zur Schere, schnibbelte die Textkästchen meiner verschiedenfarbig gekennzeichneten Handlungsstränge aus, holte eine große Pappe aus dem Keller, die Stecknadeln aus der Nähkiste, sortierte die bunten Papierchen in eine sinnvolle Reihenfolge und pinte sie auf die Pappe. Die gotische Kathedrale stand vor mir; der Fahrplan für „Der Sünde Sold“ und ich wusste, ich würde es schaffen, das Buch zu schreiben, würde zu dem Wort ENDE kommen
Nach etwas mehr als hundert Seiten merkte ich, etwas stimmt nicht. Ich fühlte mich wie auf Treibsand, hatte wieder fünf Perspektivfiguren und so viel zu erzählen, dass ich plötzlich einen Achthundert-Seiten-Wälzer vor mir sah. Außerdem beschlich mich das unangenehme Gefühl, den Faden zu verlieren und dem Spannungsbogen zuviel Freiheit zu lassen; er tanzte wie ein loses Seil im Sturm und ich würde es niemals schaffen, einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde. Merde!
Resigniert überlegte ich, meinen zweiten Romanversuch an der Seite des ersten beizusetzen, als ich, wie jeden Monat einmal, das neue Programm des Literaturhauses München aus meinem Briefkasten holte. Eine Veranstaltung sprang mich förmlich an. Im Rahmen des Krimifestivals öffnete das Haus seine Pforten für Laien (bis dato gab es Workshops nur für bereits veröffentlichte Autoren, wie ich bei Nachfrage erfahren hatte) und veranstaltete einen zweitägigen Workshop Für Krimiautoren und solche, die es werden wollen. Noch am selben Tag habe ich mich dafür angemeldet.
Dieser Workshop hat mir die Augen geöffnet. Ohne ihn hätte ich es nie geschafft einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde. Zwei Tage lang erklärten Lisa Kuppler und Carlo Feber anhand einer Analyse des Buches Die Bildhauerin von Minette Walters, wie man die Fäden in der Hand behält, wie man Spannungsbögen baut, was der Leser sich von einem Krimi erwartet und wie man diese Erwartungen erfüllen kann. Unvergessen Carlo Febers Satz: „Und dann nehmen wir die Spannungsbögen und bauen daraus eine gotische Kathedrale.“
Sonntagabend kam ich mit schwirrendem Kopf nach Hause, setzte mich an den Computer, ordnete meine Handlungsstränge, baute an ihnen entlang Spannungsbögen und griff dann zur Schere, schnibbelte die Textkästchen meiner verschiedenfarbig gekennzeichneten Handlungsstränge aus, holte eine große Pappe aus dem Keller, die Stecknadeln aus der Nähkiste, sortierte die bunten Papierchen in eine sinnvolle Reihenfolge und pinte sie auf die Pappe. Die gotische Kathedrale stand vor mir; der Fahrplan für „Der Sünde Sold“ und ich wusste, ich würde es schaffen, das Buch zu schreiben, würde zu dem Wort ENDE kommen
Donnerstag, 9. Oktober 2008
SIEBEN: Hirnen
In den folgenden Wochen betraten Figuren die noch kahle Bühne und ich verpasste ihnen Namen, Lebensläufe, Schicksale. Die Bühne befand sich in meinem Hirn und war die meiste Zeit bevölkert, was dazu führte, dass ich mitten in einer Tätigkeit innehielt, vor mich hinstarrte, scheinbar unkontrolliert in der Luft rumfuchtelte und halblaut etwas murmelte.
Eines Sonntags saß ich allein beim Frühstück, da meine Kinder und mein Mann, im Gegensatz zu mir, Langschläfer sind und grübelte über Agnes und Dühnfort nach und über den Kerl, der den Bösewicht geben sollte. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich gar nicht richtig wahrnahm, wie mein Sohn sich an den Tisch setzte. Er schenkte sich Tee ein, während Dühnfort sich auf die Bühne stellte und eine Vergangenheit einforderte, die ich schon vage ahnte, seit ich ihm diesen Namen verpasst hatte: Konstantin Dühnfort.
Mein Sohn musterte mich skeptisch, beunruhigt. Ich bemerkte es zunächst nicht, fing dann irgendwann seinen besorgten Blick auf und schlagartig wurde mir klar, welch seltsamen Anblick ich bot. Also erklärte ich ihm, dass mit mir alles in Ordnung sei, dass ich lediglich über Figuren und Plots eines Kriminalromans nachdachte, den ich gerne schreiben würde.
„Du hirnst also.“ Das war sein Kommentar, den er in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren immer dann wiederholte, wenn er mich mit diesem abwesenden Gesichtsausdruck erwischte, wenn ich plötzlich grundlos grinste, meine Nasenspitze knetete, rumfuchtelte und über meine Figuren sprach, als gäbe es sie wirklich.
Der Begriff „hirnen“ ist seither in unserem Wortschatz fest verankert, um diesen geistesabwesenden Zustand zu beschreiben, in dem ich mich befinde, wenn ich diese andere Welt betrete.
Morgen geht es mit der Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis weiter. Ich bin nämlich ganz eindeutig ein Learning-by-doing-Typ.
Eines Sonntags saß ich allein beim Frühstück, da meine Kinder und mein Mann, im Gegensatz zu mir, Langschläfer sind und grübelte über Agnes und Dühnfort nach und über den Kerl, der den Bösewicht geben sollte. Ich war so in Gedanken versunken, dass ich gar nicht richtig wahrnahm, wie mein Sohn sich an den Tisch setzte. Er schenkte sich Tee ein, während Dühnfort sich auf die Bühne stellte und eine Vergangenheit einforderte, die ich schon vage ahnte, seit ich ihm diesen Namen verpasst hatte: Konstantin Dühnfort.
Mein Sohn musterte mich skeptisch, beunruhigt. Ich bemerkte es zunächst nicht, fing dann irgendwann seinen besorgten Blick auf und schlagartig wurde mir klar, welch seltsamen Anblick ich bot. Also erklärte ich ihm, dass mit mir alles in Ordnung sei, dass ich lediglich über Figuren und Plots eines Kriminalromans nachdachte, den ich gerne schreiben würde.
„Du hirnst also.“ Das war sein Kommentar, den er in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren immer dann wiederholte, wenn er mich mit diesem abwesenden Gesichtsausdruck erwischte, wenn ich plötzlich grundlos grinste, meine Nasenspitze knetete, rumfuchtelte und über meine Figuren sprach, als gäbe es sie wirklich.
Der Begriff „hirnen“ ist seither in unserem Wortschatz fest verankert, um diesen geistesabwesenden Zustand zu beschreiben, in dem ich mich befinde, wenn ich diese andere Welt betrete.
Morgen geht es mit der Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis weiter. Ich bin nämlich ganz eindeutig ein Learning-by-doing-Typ.
Mittwoch, 8. Oktober 2008
ACHT: Wie es dann doch begann
Das erste MS landet meistens in der Schublade. Das las ich in einem der Fachbücher über das Handwerk des Schreibens, die ich mir besorgte. Angesichts des Zweihundertseitendesasters in meinem Schreibtisch konnte ich mich also schon fast als Autorin fühlen.
Erste Erkenntnis: Das Dickicht, in dem ich mich verheddert hatte, bestand aus Handlungssträngen, auch Plots genannt. Nächste Erleuchtung: Auswahl und Anzahl der Perspektivfiguren sollte man sorgfältig wählen und nicht zu üppig damit umgehen, schon gar nicht als Anfänger. Die wahren Könner jonglieren mit bis zu fünf und manchmal mehr. Ich zog hervor, was ein Krimi hätte werden sollen. Fünf hatte ich auch!
Nach Lektüre der Fachbücher verfügte ich, neben meiner Phantasie, nun auch über das theoretische Wissen wie man Plots plant, Figuren entwickelt, Spannung aufbaut, Konflikte entfaltet, lebendige Dialoge hinkriegt, kurz: Wie man einen Roman schreibt.
Sollte ich das Gewirr aus der Schublade befreien und dasselbe Thema von vorne beackern? Hmm? Eigentlich waren Mordmotiv und Tatausführung nicht schlecht. Also alles auf Anfang? Diese Fragen gingen mir an einem sonnigen Frühlingswochenende durch den Kopf.
Mein Mann und ich holten die Räder raus und brachen zu einer Radtour auf. Ab ging es nach Sauerlach und dann weiter durch den Forst. Mitten im Wald machten wir auf einer Lichtung Rast, in deren Mitte eine kleine Kapelle steht. Während wir da saßen, uns die Sonne ins Gesicht scheinen ließen und verschnauften, wurde mir etwas klar: Das ist eine tolle Location für einen Mord!
Doch wer mordet da wen und warum? Mit diesen Fragen war ich für den Rest der Radtour beschäftigt. So fing es an, mit dem Hirnen und mit Dühnforts erstem Fall.
Zum Hirnen morgen mehr.
Erste Erkenntnis: Das Dickicht, in dem ich mich verheddert hatte, bestand aus Handlungssträngen, auch Plots genannt. Nächste Erleuchtung: Auswahl und Anzahl der Perspektivfiguren sollte man sorgfältig wählen und nicht zu üppig damit umgehen, schon gar nicht als Anfänger. Die wahren Könner jonglieren mit bis zu fünf und manchmal mehr. Ich zog hervor, was ein Krimi hätte werden sollen. Fünf hatte ich auch!
Nach Lektüre der Fachbücher verfügte ich, neben meiner Phantasie, nun auch über das theoretische Wissen wie man Plots plant, Figuren entwickelt, Spannung aufbaut, Konflikte entfaltet, lebendige Dialoge hinkriegt, kurz: Wie man einen Roman schreibt.
Sollte ich das Gewirr aus der Schublade befreien und dasselbe Thema von vorne beackern? Hmm? Eigentlich waren Mordmotiv und Tatausführung nicht schlecht. Also alles auf Anfang? Diese Fragen gingen mir an einem sonnigen Frühlingswochenende durch den Kopf.
Mein Mann und ich holten die Räder raus und brachen zu einer Radtour auf. Ab ging es nach Sauerlach und dann weiter durch den Forst. Mitten im Wald machten wir auf einer Lichtung Rast, in deren Mitte eine kleine Kapelle steht. Während wir da saßen, uns die Sonne ins Gesicht scheinen ließen und verschnauften, wurde mir etwas klar: Das ist eine tolle Location für einen Mord!
Doch wer mordet da wen und warum? Mit diesen Fragen war ich für den Rest der Radtour beschäftigt. So fing es an, mit dem Hirnen und mit Dühnforts erstem Fall.
Zum Hirnen morgen mehr.
Dienstag, 7. Oktober 2008
NEUN: Mein Weg in den Dschungel
Der spontane Gedanke war also der gewesen, einen Roman zu schreiben, der besser werden sollte, als der Bestseller, den ich verärgert zugeschlagen hatte. Schon ziemlich verwegen und vielleicht auch nicht ganz frei von Überheblichkeit, liebe Inge? Mir hatte das hochgelobte Buch nun mal nicht gefallen, dafür aber tausenden anderen Lesern. Es lag also auch an mir, an meinem Geschmack. Weg mit dem verwegenen Plan, her mit einem vernünftigen Ziel: Schaffe ich es einen Roman zu schreiben, den ich gerne lesen würde?
Ich legte los, so aus dem Bauch heraus und mit einer vagen Idee, wer da wen ermordet haben könnte und warum und kam zu der Erkenntnis, dass ich keine Drauflosschreiberin bin. Manche können es, das Drauflosschreiben, Stephen King zum Beispiel, Hut ab, Respekt, Neid. Ich kann es nicht. Bis ich das entdeckte, hatte ich 200 Seiten zu Papier gebracht. [Als Grafikerin hatte ich das natürlich in QuarkXPress geschrieben, mit einer hübschen Antiqua-Schrift und im Blocksatz. Sah schon ganz echt aus, wie Satzfahnen.]
Wie gesagt, an mangelnder Phantasie liegt es nicht, eher an zuviel. Ich hatte so viele Ideen rund um meine Mordidee, dass ich mich nach 200 Seiten Manuskript in einem Dschungel befand, in einem unentwirrbaren Dickicht, aus dem kein Weg mehr herausführte, ich keine Idee hatte, wie ich all die angefangenen Plots (von denen ich damals noch nicht wusste, dass man sie so nennt) zu einem Ende zusammenführen konnte. Hilfe! Wie komme ich da wieder raus? Wie behält man die Fäden in der Hand und zwar so, dass sich am Ende alles wie von selbst auflöst?
Kreativität ist lernbar! So die Worte eines meiner Grafikdesign-Dozenten. Und jeder Künstler muss sein Handwerk beherrschen. Handwerk für das Schreiben? Sind denn Autoren nicht von der Muße geküsst? Jedenfalls landeten 200 Seiten in der Schublade. Da ruhen sie noch heute. Meinen ersten Versuch hat lediglich Dühnfort überlebt.
Wie es mit „Der Sünde Sold“ dann doch begann, lesen Sie morgen.
Ich legte los, so aus dem Bauch heraus und mit einer vagen Idee, wer da wen ermordet haben könnte und warum und kam zu der Erkenntnis, dass ich keine Drauflosschreiberin bin. Manche können es, das Drauflosschreiben, Stephen King zum Beispiel, Hut ab, Respekt, Neid. Ich kann es nicht. Bis ich das entdeckte, hatte ich 200 Seiten zu Papier gebracht. [Als Grafikerin hatte ich das natürlich in QuarkXPress geschrieben, mit einer hübschen Antiqua-Schrift und im Blocksatz. Sah schon ganz echt aus, wie Satzfahnen.]
Wie gesagt, an mangelnder Phantasie liegt es nicht, eher an zuviel. Ich hatte so viele Ideen rund um meine Mordidee, dass ich mich nach 200 Seiten Manuskript in einem Dschungel befand, in einem unentwirrbaren Dickicht, aus dem kein Weg mehr herausführte, ich keine Idee hatte, wie ich all die angefangenen Plots (von denen ich damals noch nicht wusste, dass man sie so nennt) zu einem Ende zusammenführen konnte. Hilfe! Wie komme ich da wieder raus? Wie behält man die Fäden in der Hand und zwar so, dass sich am Ende alles wie von selbst auflöst?
Kreativität ist lernbar! So die Worte eines meiner Grafikdesign-Dozenten. Und jeder Künstler muss sein Handwerk beherrschen. Handwerk für das Schreiben? Sind denn Autoren nicht von der Muße geküsst? Jedenfalls landeten 200 Seiten in der Schublade. Da ruhen sie noch heute. Meinen ersten Versuch hat lediglich Dühnfort überlebt.
Wie es mit „Der Sünde Sold“ dann doch begann, lesen Sie morgen.
Montag, 6. Oktober 2008
ZEHN: Ein überheblicher Gedanke
Noch zehn Tage, dann ist mein Erstling im Buchhandel zu haben. Deshalb gibt es ab heute einen Countdown in Form von kleinen Geschichten darüber, wie „Der Sünde Sold“ entstand.
EIN ÜBERHEBLICHER GEDANKE
Schreiben wollte ich eigentlich schon immer. In der Schule fanden meine Lehrer meine Aufsätze toll und an Phantasie hat es mir noch nie gemangelt. Ich erinnere mich noch gut, als ich einmal ein Auto war. Erlebnisaufsatz, sechste Klasse (oder so). Wir sollten uns in einen Gegenstand versetzen und aus dessen Perspektive schreiben. Ich war das Auto, in dem J. F. Kennedy erschossen wurde! – Aber ich komme etwas vom Thema ab.
Der vage Gedanke, einmal einen Roman zu schreiben, hat mich seit meiner Pubertät begleitet. Mit siebzehn begann ich einen Liebesroman per Hand in ein Heft zu schreiben. Mit Sicherheit ein ziemlich grauslicher Text. Trotzdem würde ich den heute gerne mal lesen, leider ist er verschollen; und dann war für lange Zeit Schluss mit dem Schreiben.
Den Tag, an dem ich damit wieder begann, werde ich nie vergessen. Enttäuscht und verärgert schlug ich einen Bestsellerkrimi zu. Das kann ich auch! Und das kann ich besser! Dieser – wie sich herausstellen sollte, überhebliche - Plan war der Beginn meiner Autorentätigkeit.
Wie es weiterging, erfahren Sie morgen.
EIN ÜBERHEBLICHER GEDANKE
Schreiben wollte ich eigentlich schon immer. In der Schule fanden meine Lehrer meine Aufsätze toll und an Phantasie hat es mir noch nie gemangelt. Ich erinnere mich noch gut, als ich einmal ein Auto war. Erlebnisaufsatz, sechste Klasse (oder so). Wir sollten uns in einen Gegenstand versetzen und aus dessen Perspektive schreiben. Ich war das Auto, in dem J. F. Kennedy erschossen wurde! – Aber ich komme etwas vom Thema ab.
Der vage Gedanke, einmal einen Roman zu schreiben, hat mich seit meiner Pubertät begleitet. Mit siebzehn begann ich einen Liebesroman per Hand in ein Heft zu schreiben. Mit Sicherheit ein ziemlich grauslicher Text. Trotzdem würde ich den heute gerne mal lesen, leider ist er verschollen; und dann war für lange Zeit Schluss mit dem Schreiben.
Den Tag, an dem ich damit wieder begann, werde ich nie vergessen. Enttäuscht und verärgert schlug ich einen Bestsellerkrimi zu. Das kann ich auch! Und das kann ich besser! Dieser – wie sich herausstellen sollte, überhebliche - Plan war der Beginn meiner Autorentätigkeit.
Wie es weiterging, erfahren Sie morgen.
Sonntag, 5. Oktober 2008
Gürtel und Hosenträger
Die neue BRIGITTE enthält - rechtzeitig zur Buchmesse - ein 44seitiges Bücher-Special. Das sind unsere Bücher des Herbstes. Hübsch gemacht. Tolle Aufmacherfotos. Informative Reportagen über Autoren. Etwa achtzig Bücher werden vorgestellt. Eine interessante Mischung aus Unterhaltung und ernster Literatur.
Die Buchvorstellungen sind nach Genres geordnet und natürlich habe ich mich zuerst mit den Krimi-Seiten beschäftigt. Eine Enttäuschung. Da tummeln sich hauptsächlich die Bücher, die sich zurzeit überall tummeln: Die neuen von Rankin, Holt, Nesser, Grisham, Silva, Marklund. Lediglich die Namen Colin Cotterill und Monika Fragerholm waren mir bis heute unbekannt.
Schreiben denn alle von allen ab? Will man auf Nummer sicher gehen? Mit Nesser & Co als Buchempfehlung kann man nicht falsch liegen. Das ist richtig. Gürtel und Hosenträger, sozusagen. Aber auf Hosenträger kann man verzichten, wenn man schon Gürtel trägt.
Es ist ganz ungefährlich, mal um die Ecke zu gucken. Aber vermutlich braucht es Zeit, nach Autoren Ausschau zu halten, die keine Bestseller aber trotzdem spannend schreiben. Und wenn man schon mal dabei ist, würde sich auch ein Blick auf die aktuellen Veröffentlichungen deutscher Autoren lohnen. Sind nicht gerade neue Krimis von Steinfest, Hammesfahr, Chaplet erschienen?
Die Buchvorstellungen sind nach Genres geordnet und natürlich habe ich mich zuerst mit den Krimi-Seiten beschäftigt. Eine Enttäuschung. Da tummeln sich hauptsächlich die Bücher, die sich zurzeit überall tummeln: Die neuen von Rankin, Holt, Nesser, Grisham, Silva, Marklund. Lediglich die Namen Colin Cotterill und Monika Fragerholm waren mir bis heute unbekannt.
Schreiben denn alle von allen ab? Will man auf Nummer sicher gehen? Mit Nesser & Co als Buchempfehlung kann man nicht falsch liegen. Das ist richtig. Gürtel und Hosenträger, sozusagen. Aber auf Hosenträger kann man verzichten, wenn man schon Gürtel trägt.
Es ist ganz ungefährlich, mal um die Ecke zu gucken. Aber vermutlich braucht es Zeit, nach Autoren Ausschau zu halten, die keine Bestseller aber trotzdem spannend schreiben. Und wenn man schon mal dabei ist, würde sich auch ein Blick auf die aktuellen Veröffentlichungen deutscher Autoren lohnen. Sind nicht gerade neue Krimis von Steinfest, Hammesfahr, Chaplet erschienen?
Abonnieren
Posts (Atom)