Man schneide vom frischen Kadaver eines rothaarigen Mannes, der im Idealfall geköpft, gerädert oder gehängt worden ist, dünne Scheiben, bestreue sie mit Myrrhe und besprenkle sie mit ein wenig Aloe, um sie anschließend einige Tage in Weingeist einzuweichen. Nun noch an der Luft trocknen lassen, dann wird das Fleisch am Ende wie geräuchert schmecken und vor allem nicht stinken.
Nein, das stammt nicht aus einem Hannibal-Lecter-Roman. Und ist auch nicht der Plot meines neuen Krimis. Das ist ein Arzneimittelrezept aus dem Mittelalter, leider steht in dem SPIEGEL-Artikel (Heft 5/2009, Seite 110), dem ich es entnommen habe, nicht, wofür die Medizin nun gut gewesen sein soll. Allerdings werden noch weitere Anwendungsbeispiele für unterschiedliche Körperteile vorzeitig Verstorbener aufgeführt. Damals glaubte man, jeder Mensch habe eine vorherbestimmte Lebenszeit. Starb jemand vor seiner Zeit auf unnatürliche Weise, so konnte die verbliebene Zeit gewissermaßen geerntet werden. In den Apotheken kaufte man Körperteile und Blut und gelegentlich gab es Lieferengpässe.
Manchmal empfiehlt es sich, den SPIEGEL nicht beim Frühstück zu lesen. Wobei meine Autorenphantasie - nachdem die Übelkeit nun mit Pfefferminztee besiegt wurde - bereits Spaziergänge unternimmt.
Donnerstag, 29. Januar 2009
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4 Kommentare:
Lecker, Inge. ;-)
Wenn es dich nach Hintergründen und genaueren Arzneiangaben zum Thema der "Mumia" genannten Arznei gelüstet - die habe ich zufällig gerade recherchiert. Seit der Entdeckung Ägyptens durch die Europäer gingen dafür Tausende, womöglich Hunderttausende wertvoller Mumien drauf, sprich, wanderten in europäische Mägen.
Und wie das so ist, wenn alle für billigbillig im Supermarkt einkaufen wollen, war der erste Gammelfleisch-Skandal natürlich nicht weit. Skrupellose organisierte Banden dörrten in der Wüstensonne alles, was nur irgendwie ein wenig tot war oder noch schnell umgebracht werden konnte. Ein wenig künstliche Alterung - fertig war die Wundermedizin. Die dann in den reichen Fresserländern übrigens u.a. zu verheerenden Epidemien geführt haben soll. Denn was ließ sich billiger zu Gammelfleisch verarbeiten als die Unmengen Armer, die an Seuchen gestorben waren!
Mumia wurde in Deutschland nachweislich bis ins 20. Jahrhundert gehandelt.
Guten Appetit wünscht grinsend Petra
Ach - hättest du einen Link oder den Titel des Artikels, um das von Fronkreisch aus online lesen zu können?
Hallo Petra,
online habe ich den Artikel leider nicht gefunden.
Der Titel "Die Heilkraft des Todes", SPIEGEL 5/2009.
Von den pulverisierten Mumien wird darin auch berichtet. Allerdings nicht von den tödlichen Folgen dieser "Arznei".
LG
Inge
Herzlichen Dank! Durch den Titel fand ich den Link:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,604175,00.html
Meiner Meinung nach eine raffinierte (und reißerische) Vorab-PR für ein Buch. Da kann man mal wieder lernen, wie's gemacht wird. ;-)
Und etwas kurz gegriffen in der Deutung: Mumia aß man z.B. aus ganz pharmakologisch-chemischen Gründen (damals noch intuitiv) - sie enthielt Naturbitumen, das noch heute in der Heilkunde verwendet wird. Die Mumien waren schlicht billiger als der Import von Bitumen aus Erdölländern.
Herzlichst,
Petra
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