Freitag, 27. Februar 2009

Fünf Minuten

Mittwoch war einer dieser Tage, an denen ich schon in der Früh weiß, dass ich ihn hinter dem Computer verbringen werde. Kein Grund also für Retuschearbeiten im Gesicht, kein Grund für Businessoutfit. Rein in die Jeans und den ausgeleierten Pulli, Tagescreme ins Gesicht, grünen Tee gekocht und ab an die Arbeit. Ich musste an diesem Tag eine Menge schaffen, da ich am Donnerstag einen Termin in München hatte. Ich war mit einer Redakteurin der SZ-Landkreisbeilage zu einem Interview verabredet.

Kurz vor sechs klingelte das Telefon. Der Fotograf der SZ meldete sich. „Ich bin in fünf Minuten bei Ihnen.“
Wie, was? In fünf Minuten? Der Kunde wartet auf die Entwürfe. Ich sehe zum Davonlaufen aus, habe keine Zeit für den Termin und vor allem keine Zeit mich aufzuhübschen – geschweige denn in fünf Minuten. Als ich fünfundzwanzig war, ging das noch. Mit fünfzig muss man mehr Zeit investieren. Kurzer Kampf mit mir selbst: SZ-Fotograf brüskieren oder grauenhaftes Foto in Kauf nehmen? Die Entscheidung ist mir nicht wirklich schwer gefallen.

Wir verschoben den Termin vage auf den Donnerstagvormittag, wahlweise auf den Freitag. Gestern in der Früh so eine Ahnung bekommen und gleich nach Makeup, Wimperntusche und Co gegriffen. Kurz vor elf klingelt das Telefon. Der Fotograf der SZ meldet sich: „Ich bin in fünf Minuten bei Ihnen.“

Nach vier Minuten schellt es an der Haustür. Der rasende Reporter ist da, folgt mir raschen Schrittes ins Wohnzimmer, will seine Daunenjacke trotz geschätzter 22°C nicht ablegen. „Dauert nicht lange, ich bin gleich wieder weg.“ Sieht sich um, fragt, was ich eigentlich mache, weshalb er mich fotografieren soll. Ich bringe die Worte Autorin und Buch hervor; er drückt mir meines in die Hand. „Dann machen wir das vor der Bücherwand“, schiebt mich vors Regal, gibt noch ein paar Anweisungen, knipst und ist nach geschätzten drei Minuten wieder weg.

Ich glaube, auf den Fotos werde ich irgendwie verblüfft aussehen.

1 Kommentare:

Petra hat gesagt…

Herrlich... Drum merke: Als Schriftsteller sollte man immer fein statt Antifaltencreme den Staubwedel in der Bibliothek bereithalten ;-)
Liebe Grüße,
Petra (mit "aber da muss ich ja ins Ausland!"-Fotografen)