Man schneide vom frischen Kadaver eines rothaarigen Mannes, der im Idealfall geköpft, gerädert oder gehängt worden ist, dünne Scheiben, bestreue sie mit Myrrhe und besprenkle sie mit ein wenig Aloe, um sie anschließend einige Tage in Weingeist einzuweichen. Nun noch an der Luft trocknen lassen, dann wird das Fleisch am Ende wie geräuchert schmecken und vor allem nicht stinken.
Nein, das stammt nicht aus einem Hannibal-Lecter-Roman. Und ist auch nicht der Plot meines neuen Krimis. Das ist ein Arzneimittelrezept aus dem Mittelalter, leider steht in dem SPIEGEL-Artikel (Heft 5/2009, Seite 110), dem ich es entnommen habe, nicht, wofür die Medizin nun gut gewesen sein soll. Allerdings werden noch weitere Anwendungsbeispiele für unterschiedliche Körperteile vorzeitig Verstorbener aufgeführt. Damals glaubte man, jeder Mensch habe eine vorherbestimmte Lebenszeit. Starb jemand vor seiner Zeit auf unnatürliche Weise, so konnte die verbliebene Zeit gewissermaßen geerntet werden. In den Apotheken kaufte man Körperteile und Blut und gelegentlich gab es Lieferengpässe.
Manchmal empfiehlt es sich, den SPIEGEL nicht beim Frühstück zu lesen. Wobei meine Autorenphantasie - nachdem die Übelkeit nun mit Pfefferminztee besiegt wurde - bereits Spaziergänge unternimmt.
Donnerstag, 29. Januar 2009
Freitag, 23. Januar 2009
Das schwarze Loch
Ganz kommentarlos: The black hole
Oder doch nicht ganz: Gier trifft altes Sprichwort.
Viel Spaß damit und: Danke Günther, für den Link.
Oder doch nicht ganz: Gier trifft altes Sprichwort.
Viel Spaß damit und: Danke Günther, für den Link.
Mittwoch, 21. Januar 2009
Kampf und Qual oder Lust und Freude?
Im Autorenforum wird gerade lustvoll das Thema Kampf und Qual beim Schreiben diskutiert. Meine Erfahrungen beim Schreiben sehen anders aus; ich kann dieser Diskussion nicht folgen. Was mich quält, das lasse ich bleiben. Schreiben soll Freude machen. Mir jedenfalls und weil justament gestern Abend auf 3sat Daniel Kehlmann das so schön auf den Punkt gebracht hat, bediene ich mich jetzt seiner Worte.
Zitat | Das Wesentliche liegt darin, sich immer wieder an die ursprüngliche Freude zu erinnern, die das Schreiben, die künstlerische Arbeit, einem macht; immer wieder zu diesem großen befreienden Moment zurückzukehren, der es sein kann, wenn man allein mit sich am Schreibtisch sitzt und etwas erfindet. Wenn man das schafft, merkt man, dass es diese Momente sind, für die man schreibt. | Zitatende
Wer das ganze Interview sehen will findet es hier. In der rechten Grauen Leiste unter "Mediathek" auf Gespräch klicken.
Zitat | Das Wesentliche liegt darin, sich immer wieder an die ursprüngliche Freude zu erinnern, die das Schreiben, die künstlerische Arbeit, einem macht; immer wieder zu diesem großen befreienden Moment zurückzukehren, der es sein kann, wenn man allein mit sich am Schreibtisch sitzt und etwas erfindet. Wenn man das schafft, merkt man, dass es diese Momente sind, für die man schreibt. | Zitatende
Wer das ganze Interview sehen will findet es hier. In der rechten Grauen Leiste unter "Mediathek" auf Gespräch klicken.
Mittwoch, 14. Januar 2009
Vicky, Woody, Barcelona und der Frey
Als ich vor Jahren zu schreiben begann, grandios scheiterte und auf die Idee kam, es müsste auch für das Schreiben Methoden, Regeln, eine Art Handwerk geben, deckte ich mich, kurz nach Erlangung dieser Vermutung, mit Fachliteratur ein. Begierig las ich und lernte dabei.
Eine der Grundregeln lautet: Die Figuren müssen sich im Laufe der Geschichte entwickeln. Alles andere sei langweilig. Aus dem Ängstlichen wird der Mutige oder vielleicht auch der Feigling; aus dem Geizigen der Großzügige, aus der Zögerlichen die Zupackende usw. Bleibt die Figur in ihrer Entwicklung stehen, wird der Leser sich langweilen. Soweit die Theorie.
Wunderbar widerlegt Woody Allen in seinem Film Vicky Cristina Bacrcelona, diese Regel.
Cristina, eine junge amerikanische Schauspielerin (Scarlett Johanson), reist mit ihrer Freundin Vicky (Rebecca Hall), die katalanische Geschichte studiert, für einen Sommer nach Barcelona und wohnt dort bei einem verwandten Ehepaar, Judy und Mark Nash.
Vicky ist verlobt, Cristina ist ungebunden. Sie weiß nicht, was sie will, nur, was sie nicht will.
Bei einer Vernissage lernen die beiden Frauen den Maler Juan Antonio kennen, der am Scheitern seiner mehr als turbulenten Ehe mit Maria Elena leidet. Was ihn allerdings nicht daran hindert die beiden jungen Frauen sowohl zu einem Wochenende in Oviedo als auch zu einer Ménage à trois einzuladen.
Vicky, die lieber auf den Sicherheit gebenden bewährten Pfaden des Lebens wandelt und außerdem einen Verlobten in den USA sitzen hat, lehnt ab. Cristina ist von Juan Antonio fasziniert und lässt sich auf ihn ein.
Natürlich taucht Maria Elena auf - wunderbar turbulent und absolut überzeugend als Malerin von Penelope Cruz gespielt – das Dreiecksverhältnis geschieht nun auf andere Art. Vorher hat es sich allerdings ergeben, dass auch Vicky eine Nacht mit Juan Antonio verbrachte, sich offensichtlich in ihn verliebte, sich aber zurückzieht.
Ihr Verlobter scheint zu ahnen, dass seine Braut ihm abhanden kommen könnte und schlägt deshalb eine Vorverlegung der Hochzeit vor, die nun, etwas überstürzt, in Barcelona stattfindet. Inzwischen hat Vicky aber die Ehe von Judy und Mark vor Augen und Judy sagt ihr ganz offen, das es keine Liebe mehr gibt zwischen ihr und ihrem Mann, dass sie aber den Absprung nicht schafft. Eine deutliche Warnung also an Vicky, den Mann den sie eigentlich nicht liebt, der ihr aber Sicherheit gibt, zu verlassen bevor es zu spät ist.
Cristina lernt unterdessen fotografieren, entfaltet mit Unterstützung von Juan Antonio und Maria Elena ihr künstlerisches Potenzial.
Als der Sommer um ist, kehren Cristina (die noch immer nicht weiß was sie will, nur was sie nicht will) und Vicky (die noch immer den Sicherheiten und vorgezeichneten Wegen des Lebens den Vorzug gibt) in die USA zurück. Maria Elena und Juan Antonio zerfleischen sich auf die noch immer selbe Art wie zuvor und können, wie zu Beginn, doch nicht voneinander lassen, Judy lebt noch immer bei Mark und träumt, wie zu Beginn von einem anderen Leben.
Keine der Figuren hat sich verändert. Jede ist so, wie sie war, ist sich treu geblieben, oder in sich stecken geblieben. Der Film ist dabei nicht langweilig geworden, sondern spannend und unterhaltsam.
Woody Allens Prämisse muss gelautet haben: Keiner kann raus aus seiner Haut. Und die hat er eindrucksvoll bewiesen und dabei so nebenbei einer der wichtigsten Schreibregeln nett hintefragt.
Eine der Grundregeln lautet: Die Figuren müssen sich im Laufe der Geschichte entwickeln. Alles andere sei langweilig. Aus dem Ängstlichen wird der Mutige oder vielleicht auch der Feigling; aus dem Geizigen der Großzügige, aus der Zögerlichen die Zupackende usw. Bleibt die Figur in ihrer Entwicklung stehen, wird der Leser sich langweilen. Soweit die Theorie.
Wunderbar widerlegt Woody Allen in seinem Film Vicky Cristina Bacrcelona, diese Regel.
Cristina, eine junge amerikanische Schauspielerin (Scarlett Johanson), reist mit ihrer Freundin Vicky (Rebecca Hall), die katalanische Geschichte studiert, für einen Sommer nach Barcelona und wohnt dort bei einem verwandten Ehepaar, Judy und Mark Nash.
Vicky ist verlobt, Cristina ist ungebunden. Sie weiß nicht, was sie will, nur, was sie nicht will.
Bei einer Vernissage lernen die beiden Frauen den Maler Juan Antonio kennen, der am Scheitern seiner mehr als turbulenten Ehe mit Maria Elena leidet. Was ihn allerdings nicht daran hindert die beiden jungen Frauen sowohl zu einem Wochenende in Oviedo als auch zu einer Ménage à trois einzuladen.
Vicky, die lieber auf den Sicherheit gebenden bewährten Pfaden des Lebens wandelt und außerdem einen Verlobten in den USA sitzen hat, lehnt ab. Cristina ist von Juan Antonio fasziniert und lässt sich auf ihn ein.
Natürlich taucht Maria Elena auf - wunderbar turbulent und absolut überzeugend als Malerin von Penelope Cruz gespielt – das Dreiecksverhältnis geschieht nun auf andere Art. Vorher hat es sich allerdings ergeben, dass auch Vicky eine Nacht mit Juan Antonio verbrachte, sich offensichtlich in ihn verliebte, sich aber zurückzieht.
Ihr Verlobter scheint zu ahnen, dass seine Braut ihm abhanden kommen könnte und schlägt deshalb eine Vorverlegung der Hochzeit vor, die nun, etwas überstürzt, in Barcelona stattfindet. Inzwischen hat Vicky aber die Ehe von Judy und Mark vor Augen und Judy sagt ihr ganz offen, das es keine Liebe mehr gibt zwischen ihr und ihrem Mann, dass sie aber den Absprung nicht schafft. Eine deutliche Warnung also an Vicky, den Mann den sie eigentlich nicht liebt, der ihr aber Sicherheit gibt, zu verlassen bevor es zu spät ist.
Cristina lernt unterdessen fotografieren, entfaltet mit Unterstützung von Juan Antonio und Maria Elena ihr künstlerisches Potenzial.
Als der Sommer um ist, kehren Cristina (die noch immer nicht weiß was sie will, nur was sie nicht will) und Vicky (die noch immer den Sicherheiten und vorgezeichneten Wegen des Lebens den Vorzug gibt) in die USA zurück. Maria Elena und Juan Antonio zerfleischen sich auf die noch immer selbe Art wie zuvor und können, wie zu Beginn, doch nicht voneinander lassen, Judy lebt noch immer bei Mark und träumt, wie zu Beginn von einem anderen Leben.
Keine der Figuren hat sich verändert. Jede ist so, wie sie war, ist sich treu geblieben, oder in sich stecken geblieben. Der Film ist dabei nicht langweilig geworden, sondern spannend und unterhaltsam.
Woody Allens Prämisse muss gelautet haben: Keiner kann raus aus seiner Haut. Und die hat er eindrucksvoll bewiesen und dabei so nebenbei einer der wichtigsten Schreibregeln nett hintefragt.
Donnerstag, 8. Januar 2009
78°
Nicht minus. Im Landkreis München herrscht kein Kälterekord, wie in weiten Teilen Deutschlands und auch die Schneehöhe ist eigentlich keine, etwa 0,3 cm. Die Angabe 78° bezieht sich auf ein Buch. Mein Buch, Dühnforts ersten Fall. :-).
Wer wissen will, was es damit auf sich hat, kann es hier nachlesen – bis Ende Januar: www.krimi-couch.de
Wer wissen will, was es damit auf sich hat, kann es hier nachlesen – bis Ende Januar: www.krimi-couch.de
Montag, 5. Januar 2009
Happy End
Vor einiger Zeit habe ich mich ja bereits darüber aufgeregt: Über das Happy End um jeden Preis, auch wenn der Autor dadurch seine Figuren opfert. Damals ging es um einen amerikanischen Spielfilm heute geht es um den Debütroman eines Autors, der allerdings vorher Drehbücher schrieb.
Der Held der Geschichte lebt in einer Diktatur, ist Mitglied der Staatspolizei und ein überzeugter Anhänger des Systems. Der Leser lernt ihn bei einem Einsatz kennen, bei dem er einen Kollegen davon abhalten muss einen gewöhnlichen Mord (also keinen aus politischen Gründen) auch so zu benennen. Es war ein Unfall. Im Laufe des Romans schöpft der Held Verdacht, der Mord könnte doch einer sein, folgt seiner Intuition, wandelt sich vom Saulus zum Paulus und wird degradiert, was ihm dann durch einen tollen Zufall (überhaupt spielt der Zufall die zweite Hauptrolle in diesem Roman) die Möglichkeit eröffnet, heimlich zu ermitteln.
Und spätestens an diesem Punkt beginnt die fatale Entwicklung hin zum Happy End. Denn das Buch fasziniert durch die Schilderung dessen, wie ein totalitäres System funktioniert, wie es Menschen verändert. Es zeigt wie sie jedes Vertrauen verlieren, jede Menschlichkeit, wie sie zu Denunzianten werden, um die eigene Haut zu retten oder - perfider noch – wie sie zu Verrätern werden müssen, um die Leben ihrer Lieben zu bewahren. Das Regime wird in einer Gnadenlosigkeit gezeigt, die niemanden verschont.
Niemanden? Leider doch. Denn der Autor braucht den Helden ja bis zum Ende. Also kommt er immer wieder und immer wieder mit blauem Auge davon. Da bemüht der Autor nicht nur den Maschinengott, sondern zerstört auch durch unglaubwürdige Handlungsweisen der Gegenspieler die Glaubhaftigkeit seiner Geschichte und seines Helden. Denn er hat uns Lesern ja mehr als einmal gezeigt, wie das System funktioniert, was mit Menschen geschieht, wenn sie erst einmal unter Verdacht geraten sind, wenn sie unbequem sind, wenn sie sich tatsächlich gegen das System stellen. Und das tut der Held nun und ihm widerfährt nicht, was ihm widerfahren müsste.
Und damit nicht genug. Auch eine verquere Liebesgeschichte endet glücklich und natürlich löst der Held seinen Fall und wird schließlich zum Chef einer neu gegründeten Polizei. Und natürlich ist das keine politische Polizei, sondern eine Kriminalpolizei.
Über den Täter und die Glaubhaftigkeit seiner Taten (denn es war natürlich nicht nur eine) schweige ich, da könnte ich nämlich ...
Nun frage ich mich: Bin ich pingelig und zu anspruchsvoll geworden, seit ich selbst schreibe? Verdirbt das Schreiben mir den Lesespaß? Denn das Buch ist in einem namhaften Verlag erschienen, ein großer Erfolg und wird bereits in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.
Der Held der Geschichte lebt in einer Diktatur, ist Mitglied der Staatspolizei und ein überzeugter Anhänger des Systems. Der Leser lernt ihn bei einem Einsatz kennen, bei dem er einen Kollegen davon abhalten muss einen gewöhnlichen Mord (also keinen aus politischen Gründen) auch so zu benennen. Es war ein Unfall. Im Laufe des Romans schöpft der Held Verdacht, der Mord könnte doch einer sein, folgt seiner Intuition, wandelt sich vom Saulus zum Paulus und wird degradiert, was ihm dann durch einen tollen Zufall (überhaupt spielt der Zufall die zweite Hauptrolle in diesem Roman) die Möglichkeit eröffnet, heimlich zu ermitteln.
Und spätestens an diesem Punkt beginnt die fatale Entwicklung hin zum Happy End. Denn das Buch fasziniert durch die Schilderung dessen, wie ein totalitäres System funktioniert, wie es Menschen verändert. Es zeigt wie sie jedes Vertrauen verlieren, jede Menschlichkeit, wie sie zu Denunzianten werden, um die eigene Haut zu retten oder - perfider noch – wie sie zu Verrätern werden müssen, um die Leben ihrer Lieben zu bewahren. Das Regime wird in einer Gnadenlosigkeit gezeigt, die niemanden verschont.
Niemanden? Leider doch. Denn der Autor braucht den Helden ja bis zum Ende. Also kommt er immer wieder und immer wieder mit blauem Auge davon. Da bemüht der Autor nicht nur den Maschinengott, sondern zerstört auch durch unglaubwürdige Handlungsweisen der Gegenspieler die Glaubhaftigkeit seiner Geschichte und seines Helden. Denn er hat uns Lesern ja mehr als einmal gezeigt, wie das System funktioniert, was mit Menschen geschieht, wenn sie erst einmal unter Verdacht geraten sind, wenn sie unbequem sind, wenn sie sich tatsächlich gegen das System stellen. Und das tut der Held nun und ihm widerfährt nicht, was ihm widerfahren müsste.
Und damit nicht genug. Auch eine verquere Liebesgeschichte endet glücklich und natürlich löst der Held seinen Fall und wird schließlich zum Chef einer neu gegründeten Polizei. Und natürlich ist das keine politische Polizei, sondern eine Kriminalpolizei.
Über den Täter und die Glaubhaftigkeit seiner Taten (denn es war natürlich nicht nur eine) schweige ich, da könnte ich nämlich ...
Nun frage ich mich: Bin ich pingelig und zu anspruchsvoll geworden, seit ich selbst schreibe? Verdirbt das Schreiben mir den Lesespaß? Denn das Buch ist in einem namhaften Verlag erschienen, ein großer Erfolg und wird bereits in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.
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