Freitag, 4. Juni 2010

Nein. Ich töte keine Katzen.

Fesselnd wird ein Krimi, wenn die darin agierenden Figuren als lebendig empfunden werden und als interessant, wenn der Plot handlungsgetrieben ist und vor allem gut recherchiert.

Fiktion und Wirklichkeit.
Ich muss nicht bei der Mordkommission arbeiten, um deren Arbeit zu beschreiben. Ich muss keine Marketingexpertin sein, um mich in die Arbeit einer solchen hineinversetzen zu können. Auch meine medizinischen Fähigkeiten – vor allem im rechtsmedizinischen Bereich – sind weniger als rudimentär. Ich muss auch keine Frauen enthauptet haben, um einen Mörder zu erfinden, der genau das tut. Und ich muss ebenso keine Katzen töten, um eine Romanfigur das tun zu lassen.

Autoren, ihre Figuren und deren Taten.

Das ist doch selbstverständlich, denken Sie nun. Ist es leider nicht. Immer wieder werde ich gefragt, wie viel Autobiographisches meine Romane enthalten. Das geht tatsächlich so weit, dass mir unterstellt wird, Katzen getötet zu haben und zwar auf dieselbe Art, wie ich es in „Der Sünde Sold“ beschreibe.

Ab in den Knast?
Wenn man diesen absurden Gedanken konsequent zu Ende denkt ... Hm? Im Syndikat, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren, gibt es mittlerweile über 500 Mitglieder ... wenn jeder von ihnen nur einen Mord pro Jahr begehen würde ... aus Recherchegründen sozusagen ... mal ganz abgesehen von sonstigen Verbrechen, wie Erpressung, Banküberfall, Katzentötungen ... Das Syndikat müsste als kriminelle Vereinigung verboten werden und natürlich müssten wir Krimiautoren alle hinter Gittern weiter schreiben und weiter recherchieren.

Phantasie, Empathie und Recherche.
Das sind die Zutaten, die ich benötige, um Katzen zu töten, Frauen zu enthaupten, Männer zu erschießen und meine Helden glänzen oder leiden zu lassen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ich tatsächlich wegen des Katzenmordes mehrfach angesprochen und angeschrieben wurde. Die Tötung eines Tieres wird als grausam, widerlich, eklig und erschreckend empfunden. Und das ist sie auch. Nur gibt es in „Der Sünde Sold“ zwei Frauen, die nicht weniger grausam getötet werden. Darüber hat sich bisher niemand beschwert.

2 Kommentare:

Claudia Toman hat gesagt…

Ja, diese Gedanken kenne ich. Wie viel "muss man erlebt haben" um es erzählen zu können. Ich denke, die Autobiografie eines echten Mörders ist nicht gezwungenermaßen besser oder realistischer als Fiktion. Zumal man davon ausgehen kann, dass wohl 99,9% der Leser auch noch keinen Mord begangen hat. Die Kunst des ERZÄHLENS ist subtiler als bloße Nacherzählung.

Was die Tiermorde angeht: Ich denke, die Hilf- und Wehrlosigkeit von Tieren ist es, die es schockierender wirken lässt als Menschenmorde. Es ist wie mit Kindern, je wehrloser das Opfer, desto größer das Grauen. Sicher, auch erwachsene Opfer sind meist chancenlos, aber man traut ihnen zu, dass sie sich eher wehren könnten... Plus, als Katzenbesitzerin sag ich mal so, man hat mit seinem Tier insgesamt mindestens so engen Kontakt wie mit Familienmitgliedern, Körperkontakt womöglich sogar mehr, daher ist es nicht verwunderlich, dass die Vorstellung, es zu verlieren auch genauso schockt...

Liebe Grüße,
Claudia

Melanie hat gesagt…

Sieh's mal so: Wenn du aus Recherchegründen einen Mord begehen würdest und dafür in den Knast wanderst, hast du ziemlich viel Zeit weitere Bücher zu schreiben. Gut, vielleicht wird's mit der Recherche etwas schwierig ...