Plötzlich taucht das Wort Verführung in den Medien auf. Verführung einer Minderjährigen. Es klingt doch so viel besser als Vergewaltigung. Verführung. Da schwingt Einverständnis mit. Vielleicht war es ein wenig unklug von ihr und auch gegen ihre eigentlichen Absichten und verboten war es sowieso, aber er hat sie dazu verführt und sie hat mitgemacht. Also ist sie mitschuldig und der Täter entlastet. Eine altbekannte Masche. So macht man aus Opfern (Mit)täter.
Verführung. In diesem Wort schwingt auch ein Hauch Anerkennung mit. Ein Verführer, einer der Frauen erobert, ein Held, ein ganzer Kerl, dem es gelingt Frauen zu verleiten ein wenig unklug zu sein. Es klingt so harmlos.
Allerdings frage ich mich, wie frei die Entscheidung einer Dreizehnjährigen sein kann, Geschlechtsverkehr mit einem Mann zu haben, der sie zuvor mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht hat?
Eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung, ist eine Vergewaltigung. Der Versuch eine widerwärtige Tat in der öffentlichen Meinung zu verharmlosen, in dem man sie nicht beim Namen nennt, sondern das hässliche Wort durch ein besser klingendes ersetzt, ist perfide.
Und noch etwas fällt mir bei der Berichterstattung über die Verhaftung Roman Polanskis auf, vielleicht ist das Zufall, vielleicht auch nicht. Unter der Überschrift „Stars für Polanski – Internationale Proteste gegen die Festnahme des Regisseurs“ (SZ von heute) werden einige der „größten Namen des internationalen Films“ aufgelistet, die eine Petition zur Freilassung Polanskis unterzeichnet haben: Es sind alles Namen von Männern.


